Weltweiter Boom von Jobs ohne staatlichen Schutz

Gemeinsame Studie von SÜDWIND und bayerischer Landeskirche

 

Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse ohne staatlichen Schutz ist in den vergangenen Jahren dramatisch angestiegen. Eine neue Studie zu diesem Thema unter dem Titel „Frauenarbeit im Schatten – Informelle Wirtschaft und Freie Exportzonen“ wurde nun von Oberkirchenrat Michael Martin, Leiter der Ökumeneabteilung der bayerischen Landeskirche, gemeinsam mit der Autorin Ingeborg Wick, wissenschaftliche Mitarbeiterin des SÜDWIND-Instituts, der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) arbeiten fast zwei Drittel aller Erwerbstätigen weltweit in der informellen Wirtschaft, die meisten in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Die überwiegende Mehrheit sind Frauen. Im Süden sind sie meist im Straßenhandel, als Kleinproduzenten oder Hausangestellte und in Heimarbeit beschäftigt, im Norden geht es um geringfügig Beschäftigte, um Zeitarbeit, Teilzeit- und befristet Beschäftigte sowie häufig auch um Mikrounternehmen. Weltweit gelten mehr als 60 Prozent von ihnen als arm.

 

Ein Grund der weltweiten Ausbreitung ungeschützter Arbeit sind die so genannten Freien Exportzonen. In Tausenden dieser Steuer- und Zoll-Enklaven in rund 130 Ländern arbeiten heute 66 Millionen Menschen. Bei der Herstellung von Textilien, Elektronik- und Haushaltswaren für den Weltmarkt werden ihre Arbeits- und Frauenrechte dabei gravierend verletzt.

 

Jürgen Bergmann, der für Mission EineWelt die Studienentstehung begleitet hat, fordert konkrete Umsetzungsschritte: „Nachdem Kirche, Kommunen und einzelne Unternehmen schon freiwillig Sozial- und Umweltstandards in ihren Beschaffungsstrukturen beziehungsweise bei ihrem Kaufverhalten berücksichtigen, ist nun der Gesetzgeber gefordert, verbindliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Ingeborg Wick sieht zudem in der Revision des Verbraucherinformationsgesetzes im kommenden April die Chance, bindende Rechenschaftspflichten bei Unternehmen einzufordern.

 

Die Studie kann über das Referat Entwicklung und Politik bei Mission EineWelt (0911 36 67 210) bezogen werden.

 

Helge Neuschwander-Lutz

 

Der Evangelische Pressedienst (epd) hat zur Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung der Studien am 3. November 2009 folgende Pressemeldung veröffentlicht, die Sie hier auch downloaden können.

 

 

eingestellt am 5. November 2009

 


Pressestelle  Mission EineWelt  Tel. 09874 9-1030   presse(at)mission-einewelt.de