Der Ansbacher Pfarrer und Religionspädagoge Hermann Spingler während seines Vortrags bei Mission EineWelt. Foto: MEW/Daniela Obermeyer

Erfahrungen aus der Perspektive eines „Fremdarbeiters“

„Kulturüberschreitung und Mission: Beobachtungen, Dilemmata und Chancen“ – so lautete der Titel eines Vortrags, den Hermann Spingler auf Einladung der Pazifik-Informationsstelle am 26. März bei Mission EineWelt gehalten hat.

 

Zehn Jahre lang übte sich der Ansbacher Pfarrer und Religionspädagoge in der Kulturüberschreitung und sammelte interkulturelle Erfahrungen in der Missionsarbeit in Papua-Neuguinea. Nach drei Jahren Tätigkeit für die dortige evangelisch-lutherische Kirche wurde Spingler 2003 stellvertretender Direktor des Melanesischen Instituts (MI) in Goroka. Das MI ist eine ökumenische Forschungs- und Bildungseinrichtung, welche die unterschiedlichen Religionen und Kulturen im melanesischen Raum untersucht und deren gegenseitiges Verständnis fördern soll.

 

Mehr einen Erfahrungsbericht als eine wissenschaftliche Rede hätten die Zuhörer zu erwarten, ließ Hermann Spingler vorab wissen. Und so war sein eineinhalbstündiger Vortrag auch durchsetzt mit vielen persönlichen Erinnerungen und Anekdoten über seine Tätigkeit in Papua-Neuguinea sowie von der Rückkehr nach Deutschland.

 

Als roter Faden zog sich das Schlagwort „kontextuelle Interpretation“ durch den Vortrag Spinglers. Er habe die Erfahrung gemacht, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit nur dann möglich ist, wenn die Gebräuche und Verhaltensweisen der Bevölkerung immer vor dem jeweiligen kulturellen Kontext gesehen werden. „Dazu ist es zunächst einmal notwendig, sich diesen Kontext anzueignen, was natürlich auch zahlreiche ‚Fettnäpfchenerfahrungen’ mit sich bringen kann“, erklärte der Pfarrer. Mit diesem Wissen ausgestattet müsse dann in jeder Situation, seien es der Austausch unter Freunden oder eine Beerdigung, der Kontext richtig interpretiert werden. Dass dieser interkulturelle Lernprozess aufgrund der komplexen Gesellschaftsstruktur Papua-Neuguineas sehr lange, sogar mehrere Jahre dauern kann, hob der Redner hervor. Umso wichtiger sei es deswegen, den Erfahrungsschatz der Rückkehrer sinnvoll zu nutzen, betonte Hermann Spingler, und schloss den Vortrag mit dem Aufruf: „Alle Missionswerke sollten dieses Wissen für den innerkirchlichen Dialog aufgreifen und weiterverarbeiten.“

 

Daniela Obermeyer

 

 

eingestellt am 31. März 2010

 


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