Carla Castro (links) und Gina Cano berichteten anschaulich von der Arbeitssituation der Näherinnen in den Bekleidungsfabriken von Honduras. Foto: Mission EineWelt/Daniela Obermeyer

Zwölf Stunden Nähen für zwei Dollar am Tag

„Informationen aus berufenem Munde“ haben die Zuhörenden beim Vortrag der Honduranerin Gina Cano am 10. Mai im Haus eckstein in Nürnberg erhalten. Auf Einladung von Mission EineWelt und sechs weiteren Eine-Welt-Organisationen hat die ehemalige Näherin vom Arbeitsalltag in einer Bekleidungsfabrik berichtet, die auch für viele namhafte Markenhersteller produziert hat. Unterstützt wurde sie bei ihrem Bericht von Carla Castro, einer Mitarbeiterin des unabhängigen Monitoring-Teams Honduras (EMIH).

 

Sie stehen zwölf Stunden am Stück in einer heißen Fabrikhalle, oft acht Tage hintereinander, nähen von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends Blusen oder Jeans zusammen, mit einer Viertelstunde Pause – und das Ganze für etwa zwei Dollar reinen Verdienst am Tag. So beschreibt Carla Castro von EMIH den Arbeitsalltag der Näherinnen in den so genannten Maquilas, Bekleidungsfabriken in Mittelamerika. Nike, Puma, adidas und Reebok sind nur einige der Markenkonzerne, die dort ihre Produkte herstellen lassen.

 

Gina Cano war bis Ende 2008 eine dieser Näherinnen in einer Maquila. Dann wurde die Fabrik unerwartet geschlossen. Bis heute warten 1.200 Beschäftigte auf ausstehende Löhne und versprochene Sozialleistungen. Unter der Federführung von Gina Cano haben sich die Fabrikarbeiter direkt an die Firma Nike gewandt, dem Hauptauftraggeber. Diese bot lediglich Weiterbildungsmaßnahmen als Entschädigung an. „Das bringt den Arbeiterinnen, die aus Geldmangel ihre Kinder von der Schule nehmen mussten, herzlich wenig“, empörte sich Gina Cano. „Die Markenkonzerne müssen sich endlich an ihren eigenen Verhaltenskodex halten und bei den Zulieferbetrieben für faire Arbeitsbedingungen sorgen“, forderte sie. Ein Vertreter der Firma PUMA setzte entgegen, dass sein Unternehmen genau dies tue: Alle Zulieferbetriebe in Honduras würden regelmäßig von PUMA-eigenen und externen Auditoren überprüft, bei Verstößen gegen den Verhaltenskodex würde die Zusammenarbeit eingestellt.

 

Audits seien ein unzureichendes Mittel, um an der Situation der Arbeiterinnen etwas zu ändern, war nicht nur die Meinung der beiden Honduranerinnen, sondern auch des Publikums. Doch nicht nur die Markenfirmen, sondern auch die Verbraucher sind in der Pflicht, war aus der Publikums-Diskussion herauszuhören. Jeder könne durch sein Kaufverhalten seinen Beitrag zu „Sauberer Kleidung“ leisten. „Genau darum geht es uns auch“, freute sich Gina Cano. „Wir wollen möglichst viele Menschen für das Thema sensibilisieren.“

 

Die Kooperationsveranstaltung im Haus eckstein wurde getragen von der Christlichen Initiative Romero, der Kampagne für Saubere Kleidung, Mission EineWelt, Evangelische Jugend Nürnberg, neff, Lola, Weltladen „Fenster zur Welt“ und Bluepingu.

 

Daniela Obermeyer

 

 

eingestellt am 17. Mai 2010


Pressestelle  Mission EineWelt  Tel. 09874 9-1030   presse(at)mission-einewelt.de