Im vollbesetzten Otto-Kuhr-Saal von Mission EineWelt waren zumeist ehemalige Studierende und Dozenten des ehemaligen Missions- und Diasporaseminar zum Studientag versammelt. Foto: Mission EineWelt/Helge Neuschwander-Lutz

Interkulturelle Kompetenz notwendig

Ein deutlicher Appell für mehr interkulturelle Kompetenz in der Ausbildung stand am Ende eines Studientages, der am Wochenende bei Mission EineWelt stattfand. In jeder Gemeinde seien Pfarrer, aber auch Religionspädagogen und Ehrenamtliche mit anderen Kulturen oder Religionen konfrontiert. In der akademischen Ausbildung beispielsweise von Pfarrern spiele das aber kaum eine Rolle.

 

Der Studientag fand im Gedenken an die Schließung des Missions- und Diasporaseminars (MDS) vor 25 Jahren statt. Dort waren in 144 Jahren des Bestehens rund 880 Missionare für den Überseedienst ausgebildet worden. Durch die Vorträge und Diskussionen während des Studientags, der das Thema „Theologische Ausbildung im Horizont der weltweiten Christenheit“ hatte, zog sich wie ein roter Faden die Frage nach der interkulturellen Kompetenz, die zumeist als eine Defizitanzeige formuliert wurde.

 

Das Ende des MDS-Ausbildungsweges wirft nach Ansicht der rund 80 Studientagsteilnehmer ernste Fragen nach einer Ausbildung auf, die den aktuellen Gegebenheiten einer globalisierten Welt gerecht wird. Eberhard Hitzler, selbst Absolvent des MDS und heute Direktor für Weltdienst beim Lutherischen Weltbund in Genf, beklagte in einem Workshop, dass Pfarrer heute nicht ausreichend ausgebildet seien, „um in Partnerschaften mit außereuropäischen Gemeinden als interkulturelle Vermittler fungieren zu können“.

Hitzler betonte bei dem Studientag, dass es nicht um eine Spezialausbildung für einige Spezialisten oder einen Randbereich im Studium ginge. Es gehe vielmehr darum, die theologische Ausbildung wie auch andere Ausbildungsbereiche den „gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland“ anzupassen. Das sei nicht nur wünschenswert, sondern unabdingbar. Als innovatives Modell wurde am Vormittag das niedersächsische Missionsseminar in Hermannsburg vorgestellt, das seinen bisherigen Studiengang beendet, sich internationalisiert und einen Masterstudiengang in englischer Sprache anbietet.

 

Wie schwer es ist, sich interkulturelle Kompetenz zu erwerben, machte Professor Dieter Becker von der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau am Beispiel ausländischer Stipendiaten deutlich. Es fange schon mit den Sprachbarrieren an, die durch den akademischen Gebrauch in Vorlesungen und Seminaren noch verstärkt würden, so Becker. Die meisten ausländischen Stipendiaten kämen zudem ohne die Erfahrung einer Gemeinschaft zwischen Lehrenden und Lernenden und ebenso ohne Kenntnisse in selbstständigem, wissenschaftlichen Arbeiten nach Deutschland. Trotzdem sei die Augustana-Hochschule ein gutes Beispiel dafür, dass solche Stipendiatenprogramme durch gute Begleitung auch gelingen können.

 

Dem Studientag vorausgegangen war ein festlicher Empfang für ehemalige Studie-rende und Dozenten des MDS am Freitagabend. Als ältester Absolvent war Paul Gerhard Buttler, ehemaliger Direktor des Nordelbischen Missionszentrums in Hamburg, zu Empfang und Studientag gekommen. Buttler hatte 1953 seinen Abschluss in Neuendettelsau gemacht.

 

Helge Neuschwander-Lutz

 

 

eingestellt am 31. Mai 2010


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