Nilton Giese, der Generalsekretär des lateinamerikansichen Kirchenrats, zu Besuch bei Mission EineWelt.

Hochranginger Kirchenbesuch aus Lateinamerika

Genderfragen, die religiösen Vorstellungen der Indigenen sowie der Einfluss von Militär- und Rechtsregierungen sind die Themen, die den lateinamerikanischen Kirchenrat (CLAI) momentan besonders beschäftigen. Das betonte Pfarrer Nilton Giese, der Generalsekretär der Vereinigung, der letzten Freitag Mission EineWelt besucht hat.

 

Diskutiert werden im lateinamerikanischen Kirchenrat (Consejo Latinoamericano de Iglesias, CLAI), dem Dachverband für die protestantischen Kirchen Lateinamerikas, momentan vor allem Genderfragen und die Inkulturation der christlichen Kirchen. Das bezieht sich vor allem auf die religiösen Vorstellungen der Indigenen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen, so der Generalsekretär. Dies läge vor allem daran, dass in den lateinamerikanischen Ländern immer deutlicher wird, wie stark die Umweltbelastungen die Natur dort zerstören und die Religiosität der Indigenen der Umwelt eine besonders große Wertschätzung entgegen bringt. Davon könne auch die christliche Ethik lernen, erklärte Nilton Giese, der als Pfarrer der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien enge Verbindungen zur Evangelischen-Lutherischen Partnerkirche in Bayern hat.

 

Weitere aktuelle Themen im CLAI sind Fragen der Gerechtigkeit und des Friedens, da es in den Ländern Lateinamerikas nach wie vor große soziale und politische Konflikte gibt. Der Generalsekretär machte deutlich, dass die Militär- und Rechtsregierungen zwar offiziell an Einfluss verloren haben, auf unterschwellige Weise aber weiterhin in die Politik eingreifen. Die besonderen Herausforderungen des lateinamerikanischen Kirchenrates dabei seien, dazu beizutragen, dass die politischen Konflikte demokratisch und friedlich durch die ökumenische Teilnahme der Kirchen gelöst werden.

 

Einem weiteren Thema, das Lateinamerika in ganz besonderer Weise trifft, nahm sich Nilton Giese in einer Andacht an. Es ging dabei um die gerechte Verteilung von Nahrung, Grundlage war die „Speisung der 5.000“ aus dem Johannes-Evangelium. Giese erklärte, dass die Jünger bei der Speisung zunächst daran dachten, die zusätzlich benötigten Nahrungsmittel zu kaufen. Doch Jesus realisierte eine andere Lösung, wie der lateinamerikanische Pfarrer darlegte: Er wendete keine Magie an, indem er das Wenige vervielfachte, sondern er bewegte die Menschen, ihre Herzen zu öffnen und ihre Nahrung zu teilen. Auf diese Weise hatten alle genügend zu essen. Diese evangelische Form des Gebens sei das Neue, das Jesus in die Welt bringt und damit Menschen einen Weg aufzeigt, schloss Nilton Giese.

 

Der lateinamerikanische Kirchenrat fungiert als kontinentaler Dachverband aller protestantischen Kirchen Lateinamerikas. Er arbeitet sehr eng mit seinem katholischen Pendant, der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz (Consejo Episcopal Latinoamericano, CELAM) zusammen, denn bei Versammlungen des CLAI hat die Bischofskonferenz Gaststatus.

 

Daniela Obermeyer

 

 

eingestellt am 14. Juni 2010


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