Ein Blick in die Anfangszeit des Neuendettelsauer Weltladens in den 70er Jahren. Rechts im Bild: Weltladenmitarbeiterin Maja Schuster. Foto: Mission EineWelt.
Der heutige Weltladen feiert unter dem Dach von Mission EineWelt in diesem Jahre sein 35-jähriges Bestehen.

Vom Museumsladen zum Fachgeschäft für fairen Handel

 

 

Offiziell wird der Weltladen von Mission EineWelt in Neuendettelsau in diesem Jahr 35 Jahre alt und feiert das in der Jubiläumswoche vom 13. bis 18. Juli mit verschiedenen Aktionen. Doch seine Wurzeln reichen zurück bis in die 1920er und 1930er Jahre und sind verknüpft mit den Missionaren auf Papua-Neuguinea.

 

Die dortigen Missionsstationen begannen zu jener Zeit, kleine Läden zu führen. Damit versorgten sich die Missionare selbst mit Bedarfsgütern, verschafften aber auch den Einheimischen die gewünschten europäischen Gebrauchsgegenstände, wie etwa Messer, Äxte, Kleidung oder Kerosin. Die Missionstätigkeit wurde damals nur von Spendengeldern getragen. Für die Fülle an unterschiedlichen Aufgaben reichte das Geld jedoch bald nicht mehr aus. Deshalb versuchte man, eigene finanzielle Quellen wie Plantagen und eben auch die Verkaufsläden zu erschließen, deren Erlöse direkt der kirchlichen Arbeit zugute kommen sollten.

 

So konnte mit den Missionsläden ein Teil der benötigten Mittel erwirtschaftet werden. Und für die Einheimischen bot sich hier eine gute Möglichkeit, Geld zu verdienen, indem sie dort ihre Produkte verkauften. Frauen taten sich hier besonders hervor: Sie versorgten die Läden vor allem mit den aufwändig hergestellten Netzsäcken, so genannten Bilums. Käufer dieser lokalen Produkte waren sowohl Einheimische als auch Besucher aus Europa und Australien.

 

Anfang der 1970er Jahre wurde das völkerkundliche Neuguinea-Museum im damaligen Missionswerk in Neuendettelsau zugunsten einer Ausstellung über Weltmission aufgelöst. Bei der Neukonzeption, für die der damalige Öffentlichkeitsreferent Manfred Perlitz verantwortlich war, hatte man von Anfang an einen Laden mit Produkten aus Neuguinea vorgesehen, damit Museumsbesucher ein kleines Andenken mitnehmen konnten. Als Vorbild fungierten ähnliche Einrichtungen wie etwa Kloster Münsterschwarzach.

 

Zwei Mitarbeiterinnen in der Ausstellung standen von Anfang an hinter dieser Idee: Lissy Schuster, die in Neuguinea gearbeitet hatte, und ihre Schwester Maja. Am 15. Mai 1975 – ein Tag nach Gründung des Fair-Trade-Unternehmens GEPA – wurde die Ausstellung zusammen mit einem eigenständigen Dritte-Welt-Laden eröffnet. Lissy und Maja Schuster kümmerten sich um den Ein- und Verkauf für den Laden.

 

1990 wurde die Ausstellung unter Leitung der Mitarbeiterin Marion Abendroth komplett erneuert, der Dritte-Welt-Laden aber blieb bestehen. Der Mitarbeiterin Birgit Schößwender ist es zu verdanken, dass zu dieser Zeit die Weltladenarbeit stark ausgebaut wurde. So wie das Sortiment des fairen Handels wuchs, so erweiterte sich auch das Angebot im Laden. Die Idee, mit fairem Handel an der Beseitigung des wirtschaftlichen Ungleichgewichts zu arbeiten, stieß auf zunehmendes Interesse der Öffentlichkeit. Die Dritte-Welt-Läden wurden zu Eine-Welt-Läden, und auch in die Ausstellungsarbeit wurde dieses Thema integriert: „einBlick“ hieß die dritte Ausstellung, die 2003 eröffnet wurde. Zeitgleich fand auch ein Umbau des Ladens statt, so dass dieser nun erstmalig direkt von der Straße aus zugänglich war. 2010 erfolgt nun die Umbenennung in „Weltladen“.

 

Fairer Handel und Mission sind Themen, an denen schon viele Jahrzehnte großes Interesse herrscht. Trotz vieler Namensänderungen blieb die Idee immer die gleiche: Handel zu fördern, der allen Beteiligten gleichen Nutzen bringt und damit fair ist. Mit viel Engagement und ehrenamtlicher Arbeit wird dieses Konzept im Neuendettelsauer Weltladen umgesetzt und macht ihn zu einem Fachgeschäft für fairen Handel.

 

Daniela Obermeyer

 

eingestellt am 9. Juli 2010 


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