Claus Heim geht mit seinem Team auch in die umliegenden Dörfer, um die Eltern von behinderten Kindern zu beraten und sie in Ausbildung und Behandlung zu vermitteln.
Claus Heim geht mit seinem Team auch in die umliegenden Dörfer, um die Eltern von behinderten Kindern zu beraten und sie in Ausbildung und Behandlung zu vermitteln.
Trine Boe Heim kümmert sich unter anderem darum, dass die kleinen Patienten optimal auf die Operation der Klumpfußfehlstellung vorbereitet werden. Fotos: Privat
Trine Boe Heim kümmert sich unter anderem darum, dass die kleinen Patienten optimal auf die Operation der Klumpfußfehlstellung vorbereitet werden. Fotos: Privat

„Wir glauben an deine Fähigkeiten!“

Unter diesem Motto steht die Arbeit im Behindertenzentrum Usa River in Tansania. Dort arbeitet das deutsch-dänische Ehepaar Heim im Auftrag von Mission EineWelt und unterstützt behinderte Menschen dabei, ihren Fertigkeiten entsprechend ein eigenes Leben aufzubauen. Dabei sind der Rummelsberger Diakon Claus Heim und seine Frau, die Hebamme Trine Boe Heim, auch mit all ihren eigenen Fähigkeiten gefordert.

 

„Kraft raubend und Energie spendend“, beschreibt Claus Heim die Arbeit am Usa River Rehabilitations- und Trainingszentrum. Der gebürtige Oberfranke aus Ebern, der von Mission EineWelt nach Tansania entsandt wurde, ist mit Unterbrechungen seit Mitte der 90er Jahre in dem ostafrikanischen Land tätig – zunächst als Friedensdienstleistender, dann in der Dorfarbeit des Zentrums und seit 2009 als Direktor. In Usa River können Menschen mit Behinderung eine Berufsausbildung, etwa als Schreiner, Schneider, Schuster oder Schlosser, machen und bekommen so die Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – keine Selbstverständlichkeit in Afrika. „Behinderung wird als Strafe Gottes gesehen, behinderte Kinder werden deswegen häufig versteckt gehalten“, schildert Claus Heim die traurige Realität. „Was für diese Menschen bleibt, ist das Betteln oder die Prostitution.“

 

Von seiner Behinderung geheilt werden kann in Usa River niemand, jedoch wird den Menschen dort neben der Berufsausbildung auch anderweitig geholfen, im wahrsten Sinne des Wortes Fuß zu fassen: mit Prothesen, orthopädischen Schuhen und Spezialdreirädern sowie physiotherapeutischen Behandlungen. Regelmäßig kommen deutsche Ärzte ans benachbarte Nkoaranga Hospital und arbeiten dort unentgeltlich. Operiert werden vor allem Brandverletzungen, weshalb das Team auch seinen Namen „Feuerkinder“ trägt, und Klumpfußfehlstellungen. Um die Vor- und Nachbehandlung für diese spezielle Operation kümmert sich ein Team um Trine Boe. Doch nicht nur hier ist das medizinische Wissen der Hebamme gefragt. Am Hospital arbeitet sie auch in ihrem gelernten Beruf. Herausforderungen gibt es genug, vor allem was die hygienischen Bedingungen betrifft: „Bis vor kurzem mussten wir nach jeder Geburt etwa zwei Stunden blutige Tücher im kalten Wasser per Hand auswaschen. Nun konnten wir mit deutschen Spendengeldern endlich eine Waschmaschine kaufen.“

 

Die Finanzierung ihrer Arbeit ist für die Heims ein wichtiges Thema. Getragen wird Usa River hauptsächlich von Spenden und eigenen gewinnbringenden Projekten. So sind ein Gästehaus, eine Schmuckwerkstatt und ein kleiner Laden angeschlossen, in dem selbst hergestellte Produkte verkauft werden. Geld kommt auch vom Staat und von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, die der Träger des Zentrums ist. Doch das reicht nicht. Zu Jahresbeginn sind lediglich 20 Prozent ihres Budgets garantiert, der Rest muss erwirtschaftet werden. Claus Heims Traum für die Zukunft ist deswegen eine eigene Stiftung, die für eine langfristige Grundsicherung sorgt. Seine Frau wünscht sich außerdem einen Kinderarzt und einen Anästhesisten am Hospital, die bei den häufig auftretenden Komplikationen besser helfen können.

 

Trotz der Schwierigkeiten sehen beide die Erfolge ihrer Arbeit: Mehr als 400 Männer und Frauen konnten bislang in Usa River eine Ausbildung abschließen und als selbstbewusste, eigenständige Menschen in ihre Dörfer zurückkehren. Die Betreuung im Nkoaranga Hospital verringert die Gefahren bei Geburten für Kinder und Mütter erheblich. Und nicht zuletzt profitieren auch die fast vierzig tansanischen Mitarbeitenden des Zentrums von ihrem sicheren Arbeitsplatz. „Es findet Entwicklung statt!“, betont Claus Heim. Was für ihn, seine Frau und die beiden Kinder August (5) und Camilla (12) bedeutet: „Wir verlängern unseren Aufenthalt noch einmal um drei Jahre bis 2013!“

 

Weitere Informationen gibt es unter www.rehabilitation-center-tanzania.org

 

Daniela Obermeyer

 

eingestellt am 20. August 2010 


Pressestelle  Mission EineWelt  Tel. 09874 9-1030   presse(at)mission-einewelt.de