Für die Genforscherin Suman Sahai ist der Schutz traditioneller Sorten einer der Schlüssel für die Ernährungssicherheit in Indien. Foto: EIKON
Für die Genforscherin Suman Sahai ist der Schutz traditionel-ler Sorten einer der Schlüssel für die Ernährungssicherheit in Indien. Foto: EIKON

Das Recht auf eigenes Saatgut

Die Existenzsicherung von indischen Kleinbauern und der Schutz der dortigen biologischen Vielfalt gehen Hand in Hand. Das erklärte die indische Genforscherin und Protagonistin des Dokumentarfilms „HUNGER“, Dr. Suman Sahai, die von Mission EineWelt anlässlich einer Preview des Films am 10. Oktober nach Nürnberg eingeladen wurde.

 

 

„Ein Land, das nicht sein eigenes Saatgut und eigene Nahrungsmittel erzeugt, kann keine Sicherheit gewährleisten. Denn Hunger führt schnell zu Revolten.“ Von dieser Überzeugung getrieben, gründete die habilitierte Humangenetikerin Suman Sahai 1993 die Nichtregierungsorganisation Gene Campaign, die die indische Gesetzgebung und Forschungspolitik zu Saatgutfragen unter die Lupe nimmt. Am praktischen Beispiel erklärte sie während eines Vortrags im Lorenzer Laden, warum und wie Gene Campaign zusammen mit Kleinbäuerinnen und -bauern in Indien für biologische Vielfalt kämpft: In den Dörfern baut die Organisation Genbanken für Nutzpflanzen auf – keine High-Tech-Einrichtungen, sondern einfache Räume, in denen das Saatgut sauber und trocken aufbewahrt wird. Die Bauern erhalten hier ihren Anteil und geben nach der Ernte die dreifache Menge wieder zurück. Die Vorteile des Verfahrens: Die bewährten Sorten blieben regional erhalten und seien für alle zugänglich, erklärte die Forscherin. Die Vielfalt der Nutzpflanzen sei für die Bauern vor allem deshalb wichtig, weil durch den Klimawandel lang erprobte Anbaupraktiken versagen, eine große Sortenvielfalt aber das Risiko von Ernteausfällen vermindere.

 

Dieses Gleichgewicht würde kippen, wenn die Rechte der Bauern zugunsten der Saatzuchtindustrie beschnitten werden, erläuterte Suman Sahai. Diese Industrie kämpfe gegen das weltweit bislang einzigartige indische Sortenschutzgesetz, das die Rechte von Züchtern wie auch von Bauern anerkennt. Dass das so bleibt, dafür setze sich Gene Campaign bei der Regierung ein, betonte die Wissenschaftlerin.

 

Auch die Frage nach der Bewertung von Gentechnik stand im Raum. Als Wissenschaftlerin lehne sie Gentechnik keineswegs ab, erklärte Suman Sahai, doch stelle sich die Frage der Relevanz. Die Erträge gentechnisch manipulierter Sorten seien nicht höher als die der konventionellen, was auch die Saatgutindustrie bestätigen würde. Veränderungen an den Pflanzen, wie etwa Pestizid-Resistenzen, brächten den Kleinbauern wenig Vorteile, ergänzte die Wissenschaftlerin.

 

Die Teilnehmenden der Veranstaltung zeigten sich beeindruckt von der Arbeit von Gene Campaign, die die Lebensgrundlage der Dorfbevölkerung in den Mittelpunkt stellt und gemeinsam mit dieser in Wissenschaft und Politik nach Lösungen sucht. Einen guten Einblick in diese Bemühungen gewährte der Dokumentarfilm „HUNGER“, den Mission EineWelt in Kooperation mit dem agenda 21 Kino vor der Diskussionsrunde zeigte. Der Film versucht anhand der Situation in fünf verschiedenen Ländern zu ergründen, warum es weltweit immer noch Hunger gibt.

 

Daniela Obermeyer
Eingestellt am 15.10.2010


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