Nach seinem Vortrag diskutierte Jack Urame mit den Gästen weiter über das Spannungsverhältnis zwischen Christentum und Hexenglauben in Papua-Neuguinea. Foto: MEW
Nach seinem Vortrag diskutierte Jack Urame mit den Gästen weiter über das Spannungsverhältnis zwischen Christentum und Hexenglauben in Papua-Neuguinea. Foto: MEW

Wenn böse Mächte wirken …

Ein zunehmender Kampf zwischen zwei Kräften herrsche in Papua-Neuguinea, zwischen dem christlichen Glauben auf der einen und traditionellem Zauberglauben auf der anderen Seite, erklärte Pfarrer Jack Urame während seines Vortrags am 9. November bei Mission EineWelt.

 

Der Pfarrer und frühere ökumenische Mitarbeiter von Mission EineWelt im Dekanat Oettingen ist seit 2010 Leiter des Melanesischen Instituts in Goroka/Papua-Neuguinea. Die ökumenische Forschungs- und Bildungseinrichtung beschäftigt sich seit längerem mit dem Thema „Hexerei, Zauberei und Christentum“.

 

Studien des Instituts hätten gezeigt, dass der traditionelle Zauberglaube seit der Unabhängigkeit des Pazifikstaats vor 35 Jahren wieder zunehme, vor allem im abgelegenen Hochland, so Jack Urame. Immer häufiger würden vermeintliche Hexen oder Zauberer etwa für Unglücksfälle verantwortlich gemacht und die Dorfbewohner würden sich bei regelrechten Hexenverfolgungen auf grausame Art rächen, erzählte der Institutsleiter. Die Polizei sei machtlos, da oft das ganze Dorf hinter der Tat stehe.

 

Der Glaube an übersinnliche Kräfte sei in Papua-Neuguinea seit Jahrhunderten tief verwurzelt, erklärte Urame die Hintergründe. „Im melanesischen Weltbild gehören die Geister der Ahnen, Sichtbares und Unsichtbares zu einer Gesamtordnung. Wird zum Beispiel jemand schwer krank, muss dieser von außen gestört worden sein, etwa durch ein Zauberritual.“ Selbst die Regierung erkenne das an, wie der 1976 verabschiedete Sorcery Act zeige, der schwarze Magie offiziell unter Strafe stellt. Weshalb der Zauberglaube aber gerade jetzt zunehme, mehr als 100 Jahre nach Ankunft des christlichen Glaubens, sei schwer zu erklären, so der Pfarrer aus Papua-Neuguinea. Er schloss sich aber der Mutmaßung an, dass gesellschaftliche Umbrüche, wie Bevölkerungsexplosion und Abwanderung in die Städte, eine Ursache sein könnten: Durch die rasanten Veränderungen seien die Menschen auf der Suche nach Antworten und erinnerten sich nicht selten an die alten Traditionen, von denen sie jetzt Hilfe erwarten.

 

Aufgrund der tiefen Verankerung in der Gesellschaft tue sich die Evangelisch-Lutherische Kirche schwer, gegen den Aberglauben vorzugehen, dem auch Christen und sogar Pfarrer anhängen. Laut Urame könnten Aufklärung und Bildung ein geeignetes Mittel sein. Schon im Kindesalter müsste damit begonnen werden, und auch in die Ausbildung der Pfarrer in der lutherischen Kirche sollte dieses Thema stärker integriert werden. „Außerdem sollte die Kirche ans christliche Bewusstsein der Gemeindemitglieder appellieren mit der Frage: ‚Was bedeutet für mich meine christliche Überzeugung und kann ich diese wirklich mit dem Glaube an Hexerei und Magie vereinen?’“

 

Daniela Obermeyer
Eingestellt am 11.11.2010


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