Verschiedene Parteien, verschiedene Meinungen – von links nach rechts: Moderatorin Eva-Maria Heerde-Hinojosa (Misereor), Sven Giegold, Martin Burkert, Dr. Peter Pluschke, Michael Brückner, Horst Meierhofer und Moderator Dr. Jürgen Bergmann (Mission EineWelt). Foto: MEW
Verschiedene Parteien, verschiedene Meinungen – von links nach rechts: Moderatorin Eva-Maria Heerde-Hinojosa (Misereor), Sven Giegold, Martin Burkert, Dr. Peter Pluschke, Michael Brückner, Horst Meierhofer und Moderator Dr. Jürgen Bergmann (Mission EineWelt). Foto: MEW

Wer blockiert den Klimaschutz?

Wer verhindert auf welcher Ebene einen effektiven Klimaschutz, und wo müsste die Politik ansetzen, um die Situation zu ändern? Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen baten Mission EineWelt, weitere kirchliche Entwicklungswerke sowie der DGB Mittelfranken fünf Politiker auf europäischer, bundesweiter und lokaler Ebene und von verschiedenen Parteien auf ein gemeinsames Podium.

 

Einigkeit herrschte bei den Gesprächsteilnehmern am 15. November im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg darüber, dass der Klimawandel möglichst schnell begrenzt werden müsse. Dass die negativen Folgen vor allem die Länder des Südens treffen und sich deswegen gerade die kirchlichen Entwicklungswerke mit Partnerschaftsbeziehungen dorthin verantwortlich fühlen, machte ein vorab gezeigter Kurzfilm deutlich.

 

In der anschließenden Diskussion zeigte sich jedoch schnell, dass die hauptverantwortlichen Akteure für den Klimaschutz nicht eindeutig zu identifizieren sind. Nach Ansicht von Sven Giegold, Abgeordneter im Europäischen Parlament und Mitglied der Grünen, seien vor allem die großen Unternehmen gefordert, die mit „schmutziger Industrie“ viel Geld verdienen würden. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Horst Meierhofer dagegen sah die Verantwortung vor allem bei den Wirtschaftsmächten USA und China. Die BRD dürfe und könne hier nicht alleiniger Vorreiter sein. Gerade von der Bundesregierung zeigte sich Martin Burkert von der SPD enttäuscht, da diese zu wenig Mittel zum Ausbau der erneuerbaren Energien bereit stelle. Mehr auf die lokale Ebene bezog der Nürnberger CSU-Stadtrat Michael Brückner seine Kritik: Die Bürgerinnen und Bürger würden sich selbst blockieren, wenn sie nicht mehr Eigenverantwortung übernehmen und ihre Lebensweise ändern würden. Auch der Umweltreferent der Stadt Nürnberg, Grünen-Politiker Dr. Peter Pluschke, betonte die Bedeutung der kommunalen Ebene für den Klimaschutz. Deren hohes Engagement müsse durch den Bund besser unterstützt werden.

 

Nachhaltig ihr Verhalten ändern, würden die Menschen regional und weltweit aber nur, wenn dafür auch wirtschaftliche Anreize geschaffen werden, so eine Meinung auf dem Podium. Denn gerade in Entwicklungsländern stünde der wirtschaftliche Aufschwung vor dem Klimaschutz. Als ein erfolgversprechendes Projekt, das beide Interessen verbindet, wurde der Yasuní-Nationalpark in Ecuador genannt: Der Staat Ecuador würde sich verpflichten, die dortigen Erdölvorkommen nicht auszubeuten, wenn die internationale Staatengemeinschaft im Gegenzug die Hälfte des vermuteten Ertrages in einen Fonds zur nachhaltigen Entwicklung des Landes einfließen lässt. Bei diesem Projekt sei auch die deutsche Regierung global gesehen in der Pflicht, wurde gefordert. Im eigenen Land müsse die Regierung notfalls auch unpopuläre Entscheidungen durchziehen, wenn diese nachhaltig dem Klimaschutz dienen, etwa der Ausbau des Stromnetzes zur besseren Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien.

 

Daniela Obermeyer
Eingestellt am 16.11.2010


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