Ein Tagungsteilnehmer, der am Pacific Theological College in Fidschi studiert hat, führt eine Kava-Trinkzeremonie aus. Foto: Mission EineWelt
Ein Tagungsteilnehmer, der am Pacific Theological College in Fidschi studiert hat, führt eine Kava-Trinkzeremonie aus. Foto: Mission EineWelt

Theologiestudium in Übersee – und dann?

Sie waren an theologischen Hochschulen in Tansania, Südafrika, Brasilien, El Salvador, in Jamaika und Fidschi – Studierende der Theologie und Religionspädagogik, die von Mission EineWelt mit einem Stipendienprogramm unterstützt wurden.

 

Bis zu einem Jahr lang haben sie sich intensiv mit Theologie, Kirche und Gesellschaft vor Ort beschäftigt. Doch was bleibt von den vielfältigen interkulturellen Erfahrungen nach der Rückkehr, auch nach längerer Zeit? Und wie kann dieses Potenzial, das eine spirituelle, soziale und theologische Dimension hat, genutzt werden? Eine erstmalig von Mission EineWelt organisierte Alumni-Tagung hat nach Antworten gesucht.

 

„Es ging nicht nur darum, sich rückblickend mit dem Erlebten auseinanderzusetzen, sondern vielmehr um die Frage: Wie kann das Gelernte in der gegenwärtigen Tätigkeit eingebracht werden? Im Studien- oder Berufsalltag bleibt wenig Zeit, sich darüber Gedanken zu machen“, weiß Pfarrer Dr. Moritz Fischer, der die Stipendiaten der bayerischen Landeskirche bei Mission EineWelt betreut. Deswegen war die Tagung Anfang November in Neuendettelsau auch thematisch ausgerichtet und kein reines Ehemaligentreffen. Die 15 Teilnehmenden, deren Heimkehr zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren zurückliegt, beschäftigten sich mit Theologien im Vergleich: koloniale und postkoloniale Theologie in Südafrika, Befreiungs- gegenüber globaler pfingstlicher Theologie. Diese Themen hätten bei den noch oder ehemaligen Studierenden positive Resonanz hervorgerufen, denn sie lebten und lernten in Ländern, in denen dieser Umbruch Kirche und Gesellschaft beeinflusst, so Fischer.

 

Neben dem fachlichen Austausch war die Vernetzung der zweite Schwerpunkt der Tagung. Laut Moritz Fischer sei die Frustration bei den Zurückgekehrten manchmal groß, dass sie ihr Wissen nur schwer in die Gemeinden oder die bayerische Landeskirche einbringen könnten. Um in Zukunft gemeinsam mit einer Stimme sprechen zu können, wurde mit dem Aufbau eines Alumni-Netzwerkes begonnen. Bei jährlichen Treffen sollen Strategien entwickelt werden, wie die Auslandserfahrungen besser für Kirche und Gemeinde verwertet werden können. Wie viel Potenzial im Kontakt mit den ehemaligen Auslandsstudierenden liege, machte Michael Seitz deutlich, der bei Mission EineWelt für die Mitarbeitendengewinnung verantwortlich ist und die Tagung mit organisierte: Man könne so einen Kreis an Leuten aufbauen, die an einer längeren Mitarbeit in einer der Partnerkirchen in Ländern des Südens interessiert seien und bereits erste Erfahrungen gesammelt hätten. Außerdem liefere der theologisch-fachliche Austausch mit auslandserfahrenen Leuten wichtige Impulse für die kirchliche Arbeit im Inland. Für das Jahr 2011 ist auf Wunsch der Teilnehmenden bereits die nächste Alumni-Tagung geplant.

 

Daniela Obermeyer

Eingestellt am 6. Dezember 2010