„Die Schulen waren mit Abstand die schönsten Gebäude im Dorf“, erzählte Michael Wild nach den Besichtigungen. Foto: Philippe Decourt
„Die Schulen waren mit Abstand die schönsten Gebäude im Dorf“, erzählte Michael Wild nach den Besichtigungen. Foto: Philippe Decourt
Den Gästen aus Feuchtwangen (v.r.n.l.: Philippe Decourt, Maria Kress, Michael Wild) wurde stets ein großer Empfang bereitet. Foto: Mission EineWelt/ Reinhard Hansen
Den Gästen aus Feuchtwangen (v.r.n.l.: Philippe Decourt, Maria Kress, Michael Wild) wurde stets ein großer Empfang bereitet. Foto: Mission EineWelt/ Reinhard Hansen

Wenn drei eine Reise tun …

Das Dekanat Feuchtwangen hat zum ersten Mal die Partnerkirche im Kongo besucht.

 

Seit 1993 besteht eine Partnerschaft zwischen Feuchtwangen und der Evangelisch-lutherischen Kirche im Kongo (EELCo). Erst der Krieg, dann die Sicherheitslage und auch die Frage, ob die Reisekosten nicht als Spenden sinnvoller angelegt wären, hielten die Mittelfranken bislang von einem Besuch ab. Im Oktober hat sich in Begleitung vom Centrum Mission EineWelt, das im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern die Beziehungen zum Kongo pflegt, nun doch eine dreiköpfige Gruppe auf den Weg gemacht.

 

„Immer wieder haben uns Gäste aus dem Kongo gefragt, wann wir denn endlich kämen“, erklärt der Feuchtwanger Dekanatsmissionspfarrer Michael Wild die Beweggründe. „Wir wollten natürlich auch die Leute dort einmal kennen lernen und vor allem das von uns unterstützte Schul-Projekt mit eigenen Augen sehen.“ Das Dekanat engagiert sich seit fast 20 Jahren für drei Grundschulen für Kinder der Bashimbi, eine ethnische Minderheit im Kongo. Doch bis sie die Schulen zu Gesicht bekamen, mussten Michael Wild und die anderen Mitreisenden Maria Kress und Philippe Decourt aus der Partnerschaftsgruppe viel Vorarbeit leisten. Einer jahrelangen Planungsphase folgte die konkrete einjährige Vorbereitung durch Mission EineWelt: Regelmäßig saß die Gruppe mit Afrika-Referent Reinhard Hansen und Diakonin Christiane Rimroth zusammen, um über den Reiseablauf, Zeitplan, notwendige Impfungen und vieles mehr zu sprechen. Unter anderem deswegen hatte keiner der drei vor der Reise Zweifel. Auch nicht die bereits 67-jährige Maria Kress, die noch nie zuvor in einem Flugzeug gesessen hatte.

 

Ende September machte sich die Delegation zunächst auf den Weg nach Lubumbashi, dem Sitz der Kirchenleitung. Hier bekamen sie einen Einblick in das kongolesische Gemeindeleben und den Alltag der Menschen: Sie besuchten Gottesdienste, die theologische Ausbildungsstätte IAFTA, Märkte, Handwerksbetriebe und auch Schulen. Dann machten sie sich, von Reinhard Hansen begleitet, auf den Weg ins 650 Kilometer entfernte Manono, in dessen Umkreis die drei Schulen liegen. Michael Wild entschied sich, auf die „einheimische Art“ zu reisen: zwei volle Tage mit dem Geländewagen auf einer Sand- und Schotterpiste. „Ich bin an meine körperlichen Grenzen gestoßen“, berichtet er. Dabei sei das noch die luxuriöse Variante, da viele in der Regel auf der Ladung von LKWs mitfahren.

 

In den Gemeinden und bei den Schulen angekommen, wurde den Gästen aus Deutschland ein überwältigender Empfang bereitet mit Tanz, Gesang – und einer lebendigen Ziege als Gastgeschenk: „Die Leute waren gerührt, dass wir diese Reise nur für sie unternommen haben. Sie fühlten sich von uns ernst- und wahrgenommen“, beschreibt Michael Wild die Gefühle. Eine gute Investition in die Partnerschaft also. Dass auch die Unterstützung aus Feuchtwangen richtig angekommen ist, zeigte der Besuch der Schulen. „Wir waren total begeistert“, berichtet Philippe Decourt. „Wir kannten ja nur Bilder vom Rohbau, aber nun haben wir mit eigenen Augen gesehen, dass das Geld gut investiert worden ist und sich deshalb auch die weitere Unterstützung lohnt.“

 

„Was wir gesehen haben, hilft uns sehr, die Situation und den Bedarf vor Ort besser einschätzen zu können als nur über schriftliche Berichte“, fasst Maria Kress zusammen. Die Grundschulen sollen natürlich weiterhin gefördert werden: Gerade werden Schulbänke von heimischen Schreinern produziert. Außerdem werden weiterführende Schulen für ältere Kinder sowie Alphabetisierungskurse für Erwachsene benötigt. Dafür wollen sich die drei Reisenden um weitere Unterstützung aus dem Dekanat Feuchtwangen bemühen. In mehreren Vorträgen in der Gemeinde haben sie über ihre Erlebnisse im Kongo berichtet, weitere werden folgen. Und auch regelmäßiger Besuch in der afrikanischen Partnerkirche ist geplant, eventuell sogar eine Art Schüleraustausch. „Die Partnerschaftsarbeit möge durch die Reise enormen Rückenwind bekommen“, hofft Pfarrer Michael Wild.

 

Daniela Obermeyer

Eingestellt am 9.12.2010