SACOM organisiert in Hongkong immer wieder Protestaktionen, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen in den Spielzeugfabriken Chinas aufmerksam zu machen. Foto: MEW
SACOM organisiert in Hongkong immer wieder Protestaktionen, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen in den Spielzeugfabriken Chinas aufmerksam zu machen. Foto: MEW

“Unfaires“ Spielzeug unterm Weihnachtsbaum

Ein von Mission EineWelt mitorganisierter Vortrag schilderte die Arbeitsbedingungen in der Spielzeugindustrie in China.

 

Wer zu Weihnachten eine Barbie-Puppe verschenkt, muss sich darüber im Klaren sein, dass diese kaum unter fairen Bedingungen produziert wurde. Das erklärte Debby Chan von der Hongkonger Nichtregierungsorganisation SACOM (Students and Scholars Against Corporate Misbehavior) bei ihrem Vortrag gestern in Nürnberg. Etwa 80 Prozent des Spielzeugs in Deutschland kommt laut SACOM aus China, produzieren lassen dort unter anderem Disney, Mattel und Walmart. Um sich ein Bild von den Arbeitsbedingungen vor Ort machen zu können, hat die Organisation mehrere chinesische Spielzeugfabriken untersucht.

 

Dabei sei Erschreckendes festgestellt worden, so Debby Chan: Gearbeitet werde im Akkord, in Schichten von zwölf und mehr Stunden, sechs oder sieben Tage die Woche. Im monatlichen Durchschnittslohn von 75 bis 125 Euro seien zahlreiche „freiwillige“ Überstunden schon mit eingerechnet. Untergebracht seien die Arbeiterinnen und Arbeiter in Schlafsälen mit Etagenbetten, ohne Privatsphäre und unter schlechten hygienischen Bedingungen. Übermüdung, alte Maschinen und fehlende Schutzkleidung würden häufig zu Arbeitsunfällen führen. Auch unter arbeitsbedingten Krankheiten würden viele leiden, da sie ungeschützt mit giftigen Chemikalien hantieren. Es gebe keine Sozialversicherungen für die Mitarbeitenden, viele hätten nicht einmal einen Arbeitsvertrag, erklärte Debby Chan.

 

Was kann man dagegen tun? Es müsse Druck auf die Markenfirmen ausgeübt werden, damit diese in ihren chinesischen Zulieferbetrieben für angemessene Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen sorgen, erklärte Debby Chan. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland sollten beim Spielzeugkauf genau darauf achten, wo das Spielzeug hergestellt wurde und im Zweifelsfall darauf verzichten, fügte Jürgen Bergmann hinzu, der für Mission EineWelt im Nürnberger Bündnis Fair Toys aktiv ist und die Veranstaltung mitorganisiert hatte. Im Moment gebe es, anders als bei Nahrungsmitteln oder Kleidung, noch keine Kennzeichnung für fair produziertes Spielzeug. Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, ein weiterer Mitorganisator, schöpfte aber Hoffnung, dass ein Umdenken in der Spielzeugindustrie möglich sei und nannte als Vorbild die kleinen Erfolge in der Textilbranche: Gerade erst hätten sich einige Firmen aus dem Outdoor-Bereich aufgrund massiven Drucks aus der Öffentlichkeit zu verbesserten Produktionsstandards verpflichtet.

 

Daniela Obermeyer

Eingestellt am 17. Dezember 2010