Adriana Castillo aus Chile (zweite von rechts) tritt vor allem für Frauen in Chile ein, die unter häuslicher Gewalt leiden. Ganz links: Pfarrerin Friederike Deeg. Foto: MEW
Adriana Castillo aus Chile (zweite von rechts) tritt vor allem für Frauen in Chile ein, die unter häuslicher Gewalt leiden. Ganz links: Pfarrerin Friederike Deeg. Foto: MEW

Eine Minderheitenkirche getragen von starken Frauen

Frauen in Chile standen im Mittelpunkt eines Studientags bei Mission EineWelt.

 

Zur Vorbereitung auf den Weltgebetstag 2011 mit Schwerpunkt Chile beleuchtete ein Studientag am 29. Januar in Neuendettelsau die Situation der Frauen in dem südamerikanischen Land und in der lutherischen Kirche dort. Zu Gast waren die Pädagogin Adriana Castillo aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile (IELCH) und Pfarrerin Friederike Deeg, die lange in einem Armenviertel in der Hauptstadt des Landes gearbeitet hat.

 

Adriana Castillo zeichnete von der IELCH das Bild einer absoluten Minderheitenkirche, in der Frauen eine sehr wichtige Rolle spielen: Nur etwa 3.000 offizielle Mitglieder umfasst die Kirche in einem Land mit zirka 17 Millionen Einwohnern. Etwa 80 Prozent der Kirchenmitarbeitenden seien Frauen, und eine Frau, Dr. Gloria Rojas, steht auch der Kirche vor. Gerade weil die Gemeindemitglieder in der Regel keine Theologen sind, würden sie sehr viel Wert auf die eigene theologische Bildung legen, so Adriana Castillo. Es gäbe regelmäßig Arbeitsgruppen und Bibelkreise in den Gemeinden, an denen zum Teil auch die Kirchenpräsidentin teilnehme. Zusammen mit Frauen aus der methodistischen und baptistischen Kirche engagiere sich die lutherische Kirche dafür, Frauen weiterzubilden und ihre Rolle in der immer noch stark patriarchalisch geprägten Gesellschaft Chiles zu stärken, erklärte die Pädagogin.

 

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Chile – nicht zu verwechseln mit der Lutherischen Kirche in Chile, die sich 1975 von der IELCH abgespalten hat – kümmere sich vor allem um Arme und Bedürftige in den Armenvierteln am Rand der Hauptstadt und auf dem Land, erzählte Adriana Castillo. So setze sich die Kirche zum Beispiel dafür ein, dass die vielen Menschen, die nach dem schweren Erdbeben im Februar 2010 immer noch in Holzhütten leben, endlich richtige Häuser bekommen.

 

Pfarrerin Friederike Deeg aus Erlangen bestätigte mit den Erfahrungen aus ihrer Zeit in Chile, wie engagiert sich die Evangelisch-Lutherische Kirche für soziale Gerechtigkeit einsetze. Eineinhalb Jahre arbeitete sie in einem Armenviertel in Santiago de Chile. Die Bewohner dort würden wie Menschen zweiter Klasse behandelt und lebten unter erbärmlichen Umständen – in einfachen Hütten, ohne Arbeit, bedroht von Gewalt und Kriminalität. Vor allem den Frauen, die häufig die ganze Last der Familie tragen müssten, biete die Kirche Halt und Unterstützung. Es werde auch hier stark auf Bildung als Schlüssel aus dem Elend gesetzt, erzählt sie. So werden beispielsweise die Kinder der Siedlung zum Schulbesuch ermutigt.

 

Mission EineWelt unterstützt mit einem Spendenprojekt die Frauenarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile: Die Kirche unterhält mehrere Frauenhäuser, in denen Frauen und ihre Kinder Schutz vor häuslicher Gewalt finden. Nähere Informationen darüber gibt es auch in der Rubrik „Spenden“.

 

Daniela Obermeyer

Eingestellt am 31. Januar 2011