Dr. Ilunga Matthiesen-Kalala, Pierre Kabila wa Bwana und der Afrikareferent von Mission EineWelt, Reinhard Hansen, während des Gedankenaustausches bei Mission EineWelt. Foto: MEW/Helge Neuschwander-Lutz

Mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit und theologische Einbindung

Kirchenvertreter aus dem Kongo zum Meinungsaustausch bei Mission EineWelt

 

Die Evangelisch-Lutherische Kirche im Kongo will wirtschaftlich unabhängiger von Hilfe aus dem Ausland werden. Dazu sollen verstärkt Projekte vorangebracht werden, die die Eigenständigkeit der Kirche stärken.

 

Pierre Kabila wa Bwana, Leiter der Projekt- und Entwicklungsabteilung, und der stellvertretende Generalsekretär der kongolesischen Kirche, Dr. Ilunga Matthiesen-Kalala, wiesen bei einem Gedankenaustausch mit Mission EineWelt in Neuendettelsau darauf hin, dass nach 30 Jahren der Zusammenarbeit die übergemeindliche Arbeit für die etwa 60.000 Mitglieder zählende Kirche noch immer zu 90 Prozent von ausländischer Hilfe abhängig sei. Größter Unterstützer sei dabei die bayerische Landeskirche, in deren Auftrag Mission EineWelt die partnerschaftlichen Beziehungen unterhält.

 

Matthiesen-Kalala wies in dem Gespräch darauf hin, dass der zentralafrikanischen Kirche durchaus bewusst sei, dass die Mittel aus Übersee nicht selbstverständlich seien. Auch hier müssten die Kirchen mit der Kürzung von Geldern rechnen. Das habe direkte Folgen auch für die Überseepartner. „Was geschieht mit der Bildung in unserem Land, wenn die Mittel ausbleiben?“, fragte er in der Runde mit Vertretern des Neuendettelsauer Partnerschaftszentrums. Die kongolesische Kirche sei deshalb gezwungen, sich neu aufzustellen und arbeite derzeit an einem Strategiepapier, in dem die Ziele bis zum Jahr 2015 festgehalten werden sollen.

 

Die kongolesische Kirche, so beide Kirchenvertreter, habe genügend Pfarrer für den Gemeindedienst. Was ihr fehle, seien Spezialisten, unter anderem für Projekte, mit denen die Kirche eigene Einkommen erwirtschaften könne. Dazu benötige sie die Hilfe der Übersee-Partner wie Mission EineWelt.

 

Kritisch merkte Matthiesen-Kalala bei dem Gespräch an, dass die afrikanischen Partner bei inhaltlichen Diskussionen vor allem um theologische Fragen oft nicht gehört würden. „Partnerschaft bedeutet auch, uns in diese Diskussionen einzubeziehen“, forderte der stellvertretende Generalsekretär. Gerade bei Themen wie Ehe oder Homosexualität hätten die afrikanischen Kirchen eine klare Meinung, die in der internationalen Diskussion allerdings oft nicht gehört werde.

 

Die beiden Kirchenvertreter waren nach einem Besuch beim Lutherischen Weltbund in Genf nach Neuendettelsau gekommen, um sich über die Zukunft der Zusammenarbeit auszutauschen.

 

Helge Neuschwander-Lutz

Eingestellt am 1. Februar 2011