Im nördlichen Liberia liegt der Augen-Stein von Afrikareferent Reinhard Hansen gut geschützt in einer Baumgabel und beobachtet das Kommen und Gehen der Menschen im Curran Krankenhaus.
Im nördlichen Liberia liegt der Augen-Stein von Afrikareferent Reinhard Hansen gut geschützt in einer Baumgabel und beobachtet das Kommen und Gehen der Menschen im Curran Krankenhaus (oben). Im Hospital warten immer viele Menschen auf Hilfe (unten). © Mission EineWelt/Hansen
Im Hospital warten immer viele Menschen auf Hilfe. © Mission EineWelt/Hansen

Der Stein von Ostasien-Referent Thomas Paulsteiner schaut von einem kleinen Mauervorsprung einer neu erbauten Kirche in Kampong Kokol/Malaysia hinunter aufs Meer. © Mission EineWelt/Paulsteiner
Der Stein von Ostasien-Referent Thomas Paulsteiner schaut von einem kleinen Mauervorsprung einer neu erbauten Kirche in Kampong Kokol/Malaysia hinunter aufs Meer. © Mission EineWelt/Paulsteiner

WeltAugen in jedem Land angekommen

 

Mission EineWelt unterstützte weltweites Kunstprojekt „Weg der Steine“

 

 

Sie beobachten Städte oder Urlaubsstrände, ruhen unter Bäumen oder beäugen frühere Kriegsschauplätze: Nach sieben Jahren hat das Kunstprojekt „WeltAuge - Weg der Steine“ von Volker Steinbacher seinen Abschluss gefunden. In jedem Land der Erde - 194 sind es genau - liegt nun mindestens ein mit einem Auge bemalter Stein, der als stiller Zeuge die großen und kleinen Dinge des Lebens sieht und davon berichtet. Auch Mission EineWelt hat an dem einmaligen Projekt teilgenommen.

 

Ein Arbeitsaufenthalt in dem südfranzösischen Dorf Mirabel Ende der 1990er Jahre inspirierte den Frankfurter Künstler Volker Steinbacher zu dieser Idee: Er begann, den dort herumliegenden Steinen Augen aufzumalen. Mit der Zeit fanden seine Steine reißenden Absatz unter Freunden und Bekannten. Jahre später griff Steinbacher die Idee wieder auf und beschloss, die Steine in alle Welt zu tragen. Ihre Augen sollten „schauen und berichten von der Vielfalt der menschlichen Kultur, den tagtäglichen Trivialitäten, der Schönheit der Natur, aber auch von Verbrechen und Untaten“. Viele Menschen haben sich anstecken lassen und die Steine, die ausschließlich aus dem französischen Dorf stammen, an verschiedensten Orten dieser Welt abgelegt. Den wohl ungewöhnlichsten Platz fand einer in der internationalen Weltraumstation ISS.

 

Auch der Afrikareferent von Mission EineWelt, Reinhard Hansen, hat seine Steine in den schwarzen Kontinent mitgenommen. Neben Mosambik, Liberia, Sierra Leone, Angola, Tschad und Mali auch in den Kongo, in dieses vom langen Bürgerkrieg gezeichnete Land. Ein Augen-Stein schaut den Menschen von Shabunda ins Gesicht. Er sieht ihre leeren Augen, die so viel Schreckliches erleben mussten in dem kleinen Ort fern der Außenwelt. Aber er entdeckt in den Menschen auch die Hoffnung auf Frieden und Freude. „Ich fand die Idee der Vernetzung gut“, begründet Pfarrer Hansen sein Engagement.

 

Gut geschützt in einer Astgabel beobachtet ein weiterer Augen-Stein das Kommen und Gehen im Curran-Krankenhaus nahe der Stadt Zorzor im Norden Liberias. Seit Jahren wird das Krankenhaus von einem deutschen Freundeskreis und von Mission EineWelt unterstützt, so dass vielen Menschen geholfen werden kann. Im Bürgerkrieg war das Hospital geplündert und zerstört worden. Diese Vergangenheit hat der Stein sich erzählen lassen: Wie die Kämpfer kamen, vergewaltigten, mordeten und plünderten. Wie die Menschen flohen und Dörfer zu Ruinen wurden.

 

In einem ganz anderen Teil der Welt, im Norden der Insel Borneo in Ostmalaysia, schaut ein Stein von einem Kirchengemäuer in den Bergen hinab aufs Meer. Ostasien-Referent Thomas Paulsteiner zeigte sich von dem Projekt ebenfalls begeistert und hat dieses idyllische Plätzchen ausgesucht.

 

Ebenso überzeugend fand KR Wolfgang Döbrich, der bis vor zwei Jahren Lateinamerika-Referent bei Mission EineWelt war, das Projekt: In Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, legte er seinen Stein zu Füßen der Christusstatue ab, die sich hoch über den Dächern erhebt. „So kann er die Stadt in den Blick nehmen“, sagt Wolfgang Döbrich. Auch in Nicaragua, wo er gemeinsam mit Gemeinde-Referent Jens Porep war, und in El Salvador liegen nun Mission-EineWelt-Augen-Steine.

 

Das Projekt kann man im Internet besuchen unter http://www.wegdersteine.de/

 

Annekathrin Jentsch

 

eingestellt am 4. Februar 2011