Der Blick täuscht: Im Stadtviertel La Unión von San Pedro Sula/Honduras regiert seit Weihnachten die Gewalt. Angst geht um unter den Bewohnern. © Mission EineWelt/Zeller
Bis vor Weihnachten fanden in der Kirche Zum Guten Hirten noch Gottesdienste statt, so wie hier mit Landesbischof Johannes Friedrich im August letzten Jahres. © M. Springer
Seit über einem Monat gehört die Gewalt zum Alltag in Honduras. © Mission EineWelt

Um Leben und Tod

Gewalt in Honduras erfasst auch lutherische Kirche - Mission EineWelt ruft zu Fürbitte auf

 

Die Kirche ist geschlossen, Kinder können nicht mehr draußen spielen, Nachbarn besuchen sich kaum, Frauen trauen sich nicht aus dem Haus: Die Welle der Gewalt in Honduras ebbt nicht ab. Betroffen davon ist auch die lutherische Kirche des Landes, mit der die bayerische Landeskirche über Mission EineWelt partnerschaftliche Beziehungen unterhält. Im Südosten der Millionenmetropole San Pedro Sula musste die Kirche „Zum Guten Hirten“ geschlossen werden, weil bewaffnete Raubüberfälle im Viertel La Unión an der Tagesordnung sind. „In unserer Gegend hat die Gewalt das Sagen. Täglich geht es um Leben und Tod“, beklagt Gemeindepfarrer Hernán López, der auch Generalsekretär der Kirche ist. Wer etwa nachts mit dem Auto unterwegs sei, müsse langsam mit Abblendlicht fahren und die Scheibe herunterkurbeln.

 

Die Kriminalität beherrscht López zufolge ganze Straßenzüge. Dabei komme es immer wieder zu blutigen Zwischenfällen. Vor zwei Wochen waren bei Schießereien zwischen der Polizei und Bandenmitgliedern vier Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Heilig Abend musste die Christvesper wegen zweier Morde vor der Kirche abgesagt werden. Seither finden keine Gottesdienste mehr statt. „ Es ist lebensgefährlich, das Viertel zu betreten, ohne die Regeln der Gangs zu kennen“, warnt der Generalsekretär. Jeder wisse, was passiert, aber niemand traue sich, zu reden.

 

Er selbst sucht derzeit bei anderen Kirchen nach Räumen für seine Gemeinde. Von katholischer und methodistischer Seite wird schon Bereitschaft signalisiert. Aufgrund der Ereignisse sind er, seine Familie und viele Gemeindemitglieder jedoch so traumatisiert, dass sie psychologische Begleitung in Anspruch nehmen müssen.

 

Seit dem Präsidentenputsch vor anderthalb Jahren sei Honduras weder politisch noch wirtschaftlich stabil, weiß Hans Zeller, Lateinamerikareferent von Mission EineWelt. „Weil die Mehrheit der Jugendlichen nach wie vor arbeitslos ist, lungern sie perspektivlos auf den Straßen herum und leben vom Drogengeschäft.“ Laut Weltbankberichten sollen sich den gewaltbereiten Banden mittlerweile über 40.000 Jugendliche angeschlossen haben.

 

Von einem alarmierenden Ausmaß der Kriminalität spricht auch der Kanzler der Deutschen Botschaft, Carsten Schneider. Vor allem durch den unkontrollierten Waffengebrauch eskaliere die Gewalt. Offiziell dürfe in Honduras jeder fünf Waffen besitzen, zwei davon am Körper tragen. Insgesamt seien 8 Millionen Waffen registriert, eine weitere Milliarde sei vermutlich illegal. Mit rund 20 Morden pro Tag habe das Land eine der höchsten Tötungsraten weltweit.

 

Für den 13. Februar hat die Lutherische Kirche von Honduras ihre 1200 Mitglieder und die Schwesterkirchen zu einem Tag des Fastens und zu Gebeten und Fürbitten für Frieden und Gewaltlosigkeit aufgerufen. Auch in den bayerischen evangelischen Kirchen soll der honduranischen Geschwister gedacht werden. Deshalb ruft auch Mission EineWelt zu Fürbitten an diesem Sonntag auf.

 

Für weitere Informationen steht unser Lateinamerikareferent, Pfarrer Hans Zeller, gerne zur Verfügung. Tel.: 09874 9-1600; E-Mail: hans.zeller@mission-einewelt.de

 

Annekathrin Jentsch

 

eingestellt am 4. Februar 2011