„Faire Einkaufspraktiken“ in der Spielwarenindustrie

In einem Fachgespräch auf der Spielwarenmesse wurde über die Einkaufspraktiken westlicher Spielwarenhersteller in China diskutiert.

 

Auch in diesem Jahr luden das „Nürnberger Bündnis Fair Toys“, in dem auch Mission EineWelt engagiert ist, das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg und die Aktion „fair spielt“ zum Runden Tisch mit Firmenvertreterinnen und -vertretern der Spielwarenbranche ein. Bei dem Fachgespräch zu Beginn der Spielwarenmesse wurde gemeinsam über faire Produktions- und Einkaufspraktiken in einer Branche diskutiert, die mehr als die Hälfte ihrer Produkte aus China bezieht.

 

Auch wenn der Anteil an Spielzeug an den Konsumausgaben in Deutschland nur bei zwei Prozent liegt, so sollten gerade an Produkte für Kinder besondere ethische Maßstäbe angelegt werden, war ein Standpunkt der Organisatoren. Die von Uwe Kleinert, Vertreter von „fair spielt“, formulierte These, dass die Einkaufspolitik der Abnehmer in Deutschland und Europa direkten Einfluss auf die Umsetzung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen in China habe, wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geteilt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken als schwächste Glieder in der Lieferkette würden unmittelbar die Konsequenzen von niedrigen Preisen, kurzen Lieferfristen und häufigem Lieferantenwechsel tragen, in Form von geringer Entlohnung, überlangen Arbeitszeiten und sonstigen gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen. Eine partnerschaftliche Geschäftsbeziehung, die auf langfristige Zusammenarbeit setzt, die frühe Integration der Lieferanten in die Produktentwicklung und eine transparente Preisgestaltung könnten hier zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen, aber auch zu einer höheren Glaubwürdigkeit der Unternehmen in ihrem Bemühen um Corporate Social Responsibility (CSR) beitragen.

 

Mit dem Verhaltenskodex des Weltverbandes der Spielzeugindustrie (ICTI) sei ein wichtiger Prozess (der so genannte ICTI Care-Prozess) eingeleitet worden, mit dem Arbeit- und Sozialstandards bei den asiatischen Herstellern durchgesetzt und überprüft werden können. Doch gerade Aspekte der Einkaufspolitik, so die Forderung der Nichtregierungsorganisationen, würden bisher nicht angesprochen und müssten, etwa durch entsprechende Schulungen, aufgenommen werden.

 

Die hohe Verantwortung der Einkäufer wurde von den Branchenvertretern, die am Fachgespräch teilnahmen, einhellig bestätigt. Gleichzeitig verlangten sie auch vom Spielwarenhandel, sich dieser Verantwortung zu stellen und nicht durch Preisdumping Druck auf die Hersteller auszuüben. Eine zentrale Rolle aber, so war man sich einig, kommt den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu, die mit ihrem Einkaufsverhalten letztlich Einfluss ausüben können auf die Produktionsbedingungen bei den Zulieferern. Billigprodukte basieren nicht nur auf schlechten Arbeitsbedingungen, sie bergen oftmals auch die Gefahr giftiger oder minderwertiger Inhaltsstoffe, war im Verlauf des Gesprächs zu hören. Aufklärung und Wertevermittlung, nicht zuletzt über das Instrument der Menschenrechtsbildung, sollten verstärkt auch diese Thematik einbeziehen.

 

Alle Diskutanten gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, im nächsten Jahr auch Unternehmen für den Runden Tisch gewinnen zu können, die sich noch nicht am ICTI CARE-Prozess beteiligen.

 

Daniela Obermeyer

Eingestellt am 7. Februar 2011