Fei Tevi, Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz © Mission EineWelt/Jentsch
Fei Tevi, Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz © Mission EineWelt/Jentsch, Pazifik-Infostelle
Fei Tevi, Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz © Pazifik-Infostelle

Auch sauberes Öl lässt Inseln untergehen

Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz Fei Tevi kritisiert westlichen Lebensstil

 

 

Auf der einen Seite sind sie Vorreiter und Impulsgeber ihrer Kirchen, auf der anderen ihr Dachverband. Die Rede ist von der Pazifischen Kirchenkonferenz (PCC), einem ökumenischen Zusammenschluss von 28 Kirchen aus dem pazifischen Raum. Verschiedenste protestantische Kirchen wie die bayerische Partnerkirche aus Papua-Neuguinea, aber auch Pfingstkirchen, die Katholische oder die Anglikanische Kirche sind Mitglied in einer Organisation, die in diesem Sommer auf ihr 50-jähriges Jubiläum zurückblicken kann. Knapp 6 der mehr als 8 Millionen Pazifikinsulaner vertritt der Kirchenrat. Ansonsten ist das Territorium, oder, wie sie selbst sagen, der „flüssige Kontinent“, mit 25.000 Inseln riesig. Viel Wasser, wenig Menschen.

 

Und doch: Obwohl nur ein Fünftel bewohnt ist, müssen die Menschen weichen. Schuld ist der Klimawandel. Steigende Meeresspiegel machen aus Bewohnern Flüchtlinge. So ziehen bereits die Insulaner von Kiribati und Vanuatu nach Fidschi, auf die Solomonen oder gleich nach Neuseeland und Australien. Bislang, so erzählt der Generalsekretär der Kirchenkonferenz, Fei Tevi, suchten die Menschen anderswo nur einen Job. Jetzt gehe es ums Überleben, sagte er bei einem Besuch bei Mission EineWelt.

 

Für den gebürtigen Fidschianer ist es keine Frage, dass die Menschheit in Nord und Süd in einer gegenseitigen Verantwortung steht. „Euer Lebensstil“, sagt er und meint die westlichen Industrienationen, „wirkt sich zwangsläufig auf uns aus.“ Egal wie sauber das in Norwegen geförderte Öl auch sein möge, es lässt den Verbrauch steigen und damit den Schadstoffausstoß. „Am Ende werden mehr Inseln untergehen.“

 

In Bayern fragte der Generalsekretär ohne Umschweife: Wie steht es mit eurer Umweltpolitik? Was tut die Staatsregierung, was die bayerische Landeskirche? Was tut ihr als Christen? Der Klimawandel sei der beste Beweis für das Versagen des gegenwärtigen Je-mehr-desto-besser-Konsums. Im Pazifik wisse man dagegen seit alters her, dass nicht alle Kokosnüsse aufgegessen werden dürften.

 

Vor drei Jahren hat Fei Tevi den Posten als Generalsekretär in Fidschis Hauptstadt Suva übernommen. Seitdem haben sich die Mitarbeiterschaft des PCC und auch das Budget auf über drei Millionen Fidschi-Dollar (über eine Million Euro) verdreifacht. So wurde etwa mit Hilfe von Mission EineWelt eine Kommunikationsabteilung eingerichtet. Schwerpunktmäßig kümmert sich die Kirchenkonferenz um Fragen der Ökumene, Menschenrechte, Wirtschaftsgerechtigkeit, Klimawandel sowie gute Regierungsführung. Gerade als moralische Stimme im Pazifik, wie sie sich selbst versteht, schaut sie genau auf die Pazifik-Politik von UN-Organisationen oder der Weltbank.

 

Als Vorreiter nimmt sie zwangsläufig auch eine prophetische Rolle in der eigenen Region ein, wenn die Regierungsführung in den Pazifik-Staaten zu wünschen übrig lässt. Wenn etwa der frühere Präsident von Kiribati jüngst behauptet hat, dass die Insulaner von Gott gerettet würden und ihr Land nicht verlassen müssten, dann bringt das den ansonsten ruhig und überlegt handelnden Generalsekretär Tevi sprichwörtlich auf die Palme.

 

Auch bei der Vergabe von Lizenzen an chinesische und malaysische Firmen in Papua-Neuguinea, die durch Rodungen, umweltschädlichen Bergbau oder gnadenlose Überfischung weiter Raubbau an der Natur betreiben, mischt sich die Kirchenkonferenz ein. Fei Tevi: „Wir versuchen, mit den Firmen direkt zu sprechen. Das ist aber sehr schwierig.“

 

Letztlich aber kann sie bei den einzelnen Regierungen nichts bewirken, es sei denn über deren Kirchen. Doch was, wenn diese selbst schweigen? Dann muss erst einmal Überzeugungsarbeit geleistet werden bei den Mitgliedern: „Wir legen schon den Finger in die Wunde“, versichert Generalsekretär Tevi.

 

 

Annekathrin Jentsch

 

eingestellt am 22. Februar 2011