Menschliche Mission

  

 

 Frauen- und Männerbilder in der Mission – Seminar bei Mission EineWelt 

 

Paradies in Flammen – so ist das 14-tägige Blockseminar überschrieben, das noch bis zum 18. März bei Mission EineWelt in Neuendettelsau stattfindet. 52 Theologiestudierende beschäftigen sich in dieser Zeit intensiv mit missionsgeschichtlichen und kulturwissenschaftlichen Fragen. Vor allem die Rolle von Frauen und deren Wandel in der Missionsgeschichte steht im Fokus der Veranstaltung.

 

Blockseminar zu Frauen- und Männerbildern in der Mission ©Jentsch/Mission EineWelt

Blockseminar zu Frauen- und Männerbildern in der Mission ©Jentsch/Mission EineWelt
Blockseminar zu Frauen- und Männerbildern in der Mission ©Jentsch/Mission EineWelt

Gab es anfangs Missionsgehilfinnen oder Ehefrauen von Missionaren, reisen heute Pfarrerinnen mit eigenem Stellenprofil aus. „Das Seminar dient auch der Aufarbeitung der eigenen Missionsgeschichte“, erklärt Dr. Claudia Jahnel, bei Mission EineWelt zuständig für interkulturelle Bildungsarbeit. Und diese Geschichte sei eben keineswegs nur männlich geprägt, wie auch eine Ausstellung zu Frauen und Mission veranschaulicht, die im Rahmen des 125jährigen Jubiläums von Mission und Kirche in Papua-Neuguinea am 7. Juli bei Mission EineWelt eröffnet wird.

 

Professor Dieter Becker vom Lehrstuhl für Interkulturelle Theologie an der Augustana-Hochschule ist überzeugt, dass sich die Studierenden für elementare menschliche Erfahrungen interessieren, sie aber so im Theologiestudium nicht finden. „In den Lebensgeschichten der Frauen und Männer tauchen nun genau diese Dinge auf. Und auf einmal wird der Begriff Mission ganz menschlich“, sagt er.

 

Das Blockseminar in interkultureller Theologie wird jährlich bei Mission EineWelt angeboten, jeweils abwechselnd in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen und der kirchlichen Augustana-Hochschule in Neuendettelsau.

 

In diesem Jahr ein Novum ist die Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Augustana, den Professorin Gury Schneider-Ludorff innehat. Durch die Arbeit der Löhe-Forschungsstelle fand die Kirchengeschichtlerin es spannend zu erfahren, dass Wilhelm Löhe im 19. Jahrhundert bereits Diakonie und Mission in einem neuen Konzept zusammenfasste. „Er wollte selbstbewusste Frauen in der Mission und bildete dafür Diakonissen aus.“

 

Die Reaktionen der Studierenden am Ende der ersten Woche sind geteilt. Simon Wiegand aus Darmstadt bestätigt: „Wenn man etwas von Mission hört, dann ist das mit Männern verbunden.“ Durch das Seminar habe er ein differenziertes und in Teilen positiveres Bild von Mission bekommen. „Gehaltvoll und spannend“ lautet das Resümee von Theresa Himmelhuber, die in Tübingen studiert.

Rina Mayer aus Oberbayern kam mit Vorurteilen und einem traditionellen, durch Klischees und Filme geprägten Bild von Mission im Kopf. Sie erhofft sich, durch den Austausch mit anderen Studenten, aber auch bekannten Referenten, ihr eigenes Missionsbild aufzufrischen. „Das ist eine einmalige Chance“, sagt die Augustana-Studentin. Auch Martina Bachmeier gesteht, mit Mission eher „Bauchschmerzen“ zu haben. Doch gerade deshalb müsse man sich damit beschäftigen, meint die Landshuterin.

 

Die gebürtige Schwäbin Hannah Schott, die in Neuendettelsau studiert, versteht Mission dagegen nicht negativ. „Das ist für mich sogar eine Lebensperspektive“, verrät sie. Judith Köhler aus Konstanz, ebenfalls an der Augustana, findet es toll, endlich mal differenziert und ausgiebig über Mission diskutieren zu können. „Das habe ich zum letzten Mal in der 13. Klasse im Reliunterricht getan.“

 

 

 

Annekathrin Jentsch

 

eingestellt am 14. März 2011