Von März 2007 bis Dezember 2010 waren Dr. Günter Kohler und seine Frau Maja in Tansania tätig. Foto: MEW/Obermeyer
Von März 2007 bis Dezember 2010 waren Dr. Günter Kohler und seine Frau Maja in Tansania tätig. Foto: MEW/Obermeyer

Seelsorge, die direkt zu den Menschen geht

Günter Kohler berichtete von seiner Arbeit in einem tansanischen Krankenhaus und in der Massai-Steppe.

 

„In Tansania ist der Bedarf an Seelsorge im Krankenhaus viel höher als in Deutschland. Gemeinsames Beten oder Einzelgespräche sind den Patienten sehr wichtig“, berichtete Dr. Günter Kohler über seine Arbeit am Kilimanjaro Christian Medical Center (KCMC) im tansanischen Moshi. Bis 2006 noch Dekan in Augsburg, begann er 2007, nach Eintritt in den Ruhestand, im Auftrag von Mission EineWelt mit seiner Arbeit in der Seelsorgerausbildung am Krankenhaus. Begleitet wurde Günter Kohler während des dreijährigen Aufenthaltes von seiner Frau Maja, die in der Klinik und bei der damit verknüpften Massai-Arbeit tatkräftig mithalf. Von ihren Erlebnissen erzählten die beiden auf einem Begegnungsabend in dieser Woche bei Mission EineWelt in Neuendettelsau.

 

Die Seelsorgerausbildung habe am KCMC eine lange Tradition, so Günter Kohler. Seit fast vierzig Jahren werden zweimal im Jahr die viermonatigen Kurse am Krankenhaus angeboten. Zwischen sieben und zwanzig Teilnehmer werden dabei jeweils in allgemeiner Seelsorge geschult, nicht nur in der Krankenhaus-Seelsorge. Die Kurse stünden allen Interessierten offen – Theologen, Laien, Medizinern und Nicht-Medizinern. „Die Ausbildung ist sehr praxisnah: Die angehenden Seelsorger arbeiten von Anfang an direkt mit Patienten, das neu Gelernte wird in Gruppen oder mit einem Supervisor, etwa mit mir, besprochen“, schilderte Kohler. Dabei hätten die Teilnehmenden häufig die Erfahrung gemacht, wie sehr Seelsorge den Patienten helfen könne und dass sich ihr Gesundheitszustand dadurch tatsächlich verbessern ließe.

 

Da Günter Kohler und der tansanische Leiter der Klinikseelsorge der Meinung waren, dass Seelsorge nicht an den Mauern des Krankenhauses aufhören darf, sondern auf Menschen zugehen muss, entwickelten die beiden ein Programm zur Aids-Aufklärung und -prophylaxe unter den Massai. Ein „Missionary truck“ mit mobiler Leinwand brachte die Kohlers sowie Ärzte und Krankenschwestern in die schwer zugängliche Massai-Steppe. Große Nichtregierungsorganisationen würden da häufig nicht hinkommen, so der Dekan im Ruhestand. In der Dorfgemeinschaft wurden dann Filme über Aids gezeigt, kostenlose HIV-Tests durchgeführt und Multiplikatoren geschult. Es sei hier zu erstaunlich freimütigen Diskussionen in den nach Geschlechtern getrennten Gruppen gekommen, berichtete Günter Kohler. Auch das Thema Genitalverstümmelung bei Frauen sei in diesem Zusammenhang angesprochen worden. Und es würden sich auch erste Erfolge zeigen, da immer mehr Dorfälteste, die großen Einfluss auf die Dorfgesellschaft haben, Interesse an den Themen zeigen und beispielsweise HIV-Tests gutheißen.

 

Daniela Obermeyer

Eingestellt am 30. März 2011