Mitglieder des "Vereins der Evangelischen Frauen" (OASE) der brasilianischen lutherischen Partnerkirche bei ihrem Treffen in Brasilia. Foto: IECLB
Mitglieder des "Vereins der Evangelischen Frauen" (OASE) der brasilianischen lutherischen Partnerkirche bei ihrem Treffen in Brasilia.

Brasiliens Frauen auf dem Weg zu mehr Gleichheit

 

„begegnen und bewegen“ von Mission EineWelt in Nürnberg

 

 

„Als Kirche versuchen wir beizutragen, dass Gewalt gegen Frauen weniger wird“, sagte Sabrina Bolla, die in der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) im Generalsekretariat arbeitet. Beim Abend „begegnen und bewegen“ von Mission EineWelt im Gemeindesaal der Nürnberger Lorenzkirche entführten sie und ihr Landsmann Pfarrer Mauro Schwalm, ökumenischer Mitarbeiter bei Mission EineWelt, die Zuhörer mit einem Bildervortrag ins entfernte Brasilien.

 

Seit langem schon, erzählte Bolla, setze sich die IECLB für eine bessere Ausbildung für Frauen ein, weg von der traditionellen Rolle Kinder, Küche, Kirche. Die meisten Männer seien allerdings nicht bereit, im Haushalt mit anzupacken. Deshalb ist es für die Frauen einerseits zwar ein Fortschritt, einem Beruf nachzugehen, andererseits aber hätten sie dann auch noch die Hausarbeit und die Versorgung der Kinder zu bewerkstelligen.

 

Vor allem zwei Standbeine habe die Frauenarbeit in der IECLB, eine der wichtigsten Partnerkirchen der bayerischen evangelischen Landeskirche, zu der Mission EineWelt intensive Beziehungen unterhält: den „Verein der Evangelischen Frauen“ (OASE), sowie das „Forum für Reflexion Lutherischer Frauen“.

 

Ersterer ist in jedem der 18 Kirchenkreise (Synoden) vertreten. Die Mitglieder treffen sich zweimal im Jahr an verschiedenen Orten, wie im vergangenen Herbst in Brasilia. Da tauschen sich die Frauen dann intensiv aus über ihre Arbeit vor Ort, es werden Weiterbildungen und Seminare abgehalten.

 

Das „Forum für Reflexion Lutherischer Frauen“ dagegen besteht seit 110 Jahren und widmet sich stärker politischen Fragen in Kirche und Gesellschaft, wie der Gewalt gegen Frauen. Einer Studie zufolge wird alle 15 Sekunden eine Frau in Brasilien Opfer von Gewalt.

 

Trotzdem sei sie optimistisch, dass es mit den Frauen aufwärts gehe, meint Sabrina Bolla. Immerhin wird das 190-Millionen-Einwohner-Land, das knapp die Hälfte Südamerikas einnimmt, seit diesem Jahr erstmals von einer Frau regiert: „Das hat für uns als Frauen eine enorme Bedeutung, weil es ein Schritt zu mehr Gleichheit ist“, so Bolla.

 

In der IECLB hat - ebenfalls seit Januar - mit Ingrit Vogt eine ordinierte Diakonin das Amt der Generalsekretärin übernommen. Daneben sind seit 2010 erstmals sieben Frauen im Kirchenrat vertreten, der etwa dem bayerischen Landessynodalausschuss entspricht. Ein gutes Drittel Frauen arbeiten als Pfarrerinnen, Diakoninnen, Katechetinnen und Missionarinnen. In der IECLB gelten diese vier Berufsgruppen („Ministerien“) als ein Amt mit Ordination.

 

 

Annekathrin Jentsch

 

eingestellt am 4. April 2011