Dr. Aram Ziai referiert bei der Welt-Uni.
Dr. Aram Ziai referiert bei der Welt-Uni.
Diskussionsrunde mit Jens Porep (Mission EineWelt), Alina Paetz (FLO) und Prof. Kocra Assoua (Uni Bayreuth) (v.l.) Fotos: Jentsch/Mission EineWelt
Diskussionsrunde mit Jens Porep (Mission EineWelt), Alina Paetz (FLO) und Prof. Kocra Assoua (Uni Bayreuth) (v.l.) Fotos: Jentsch/Mission EineWelt

Entwicklung impliziert Herrschaftsverhältnisse

 

Tagung zu Afrika und Entwicklungshilfe in Nürnberg

 

 

Afrika und Europa sind nach Einschätzung von Professor Kocra Assoua von der Universität Bayreuth noch immer keine gleichwertigen Partner. „Es gibt keine Partnerschaft auf Augenhöhe“, sagte der Politologe am Rande der Kooperationstagung „Afrika zwischen Aufbruch und Ausbeutung“ von Mission EineWelt in Nürnberg. Dies könne erst sein, wenn die Afrikaner es schafften, ihre eigenen Märkte zu stärken und weniger abhängig von Europa zu werden.

 

China ist für Assoua in dieser Hinsicht ein „normaler Handelspartner“. Die Chinesen machten verlockende Angebote, von denen viele afrikanische Länder kurzfristig sogar profitierten, betonte der Politikwissenschaftler aus der Elfenbeinküste. „Im Gegensatz zu früheren Kolonialmächten zwingen sie aber niemanden etwas auf.“

 

Für eine Stärkung der regionalen Märkte Afrikas sprach sich auch Jens Porep aus, Leiter des Referats „Partnerschaft und Gemeinde“ bei Mission EineWelt. Er sehe darin große Chancen, weil es die afrikanischen Länder auf dem Weltmarkt schwer haben.

 

Um die Arbeitsbedingungen in Afrika zu verändern, seien auch Verbraucher hierzulande am Zug, so die Diskussion. Fair gehandelte Produkte aus zertifizierten Betrieben in Afrika böten die Gewissheit von Sozialstandards wie angemessenen Löhnen, gewerkschaftlichem Engagement oder Arbeits- und Mutterschutz.

 

An der Zusammenarbeit wurde aber auch Kritik laut. So sei die Entwicklungsindustrie mittlerweile ein großer Wirtschaftszweig im Norden und Süden. „Liefern wir mit unserem ‚Guttun’ nicht eine Steilvorlage für die Eliten in afrikanischen Ländern, die im öffentlichen Sektor aus der Verantwortung entlassen sind?“ fragte eine Teilnehmerin. In Tansania beispielsweise seien die konfessionellen und Ordensschulen um ein Vielfaches besser als die staatlichen. Oft sogar würden Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Arbeitskräfte abziehen, wie in Afghanistan aus Krankenhäusern, um sie dann als Fahrer mit deutlich höherem Gehalt anzustellen.

 

Der These vom Scheitern der Entwicklungshilfe, die nur korrupte Eliten fördere, setzte Dr. Aram Ziai vom Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn ein ganzes Bündel von Ursachen entgegen: Demzufolge sei die Entwicklungshilfe derzeit weder quantitativ noch qualitativ ausreichend. Deutschland gebe trotz großer Versprechungen noch nicht einmal ein halbes Prozent seiner Wirtschaftsleistung dafür aus. Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler sprach allerdings von einer deutlichen Überforderung, allein durch Entwicklungszusammenarbeit die weltweite Armut beseitigen zu können.

 

Ausbleibende Erfolge führte Ziai, der auch an der Universität Hamburg lehrt, auf korrupte Regierungen, mangelnde Entfaltung der Marktkräfte durch staatliche Regulierungen sowie die bestehenden weltwirtschaftlichen Strukturen zurück.

 

Ins Gericht ging Ziai mit dem Begriff „Entwicklung“. Dieser beinhalte Expertenwissen, das der „zivilisierte Norden“ dem „unterentwickelten Süden“ zur Verfügung stelle. „Das ist eine Fortsetzung des kolonialen Überlegenheitsdenkens“, kritisierte er. Selbst gelungene Projekte, wie ein Dorfbrunnen, implizierten noch immer Herrschaftsverhältnisse vom weißen Mann aus dem Norden. Der Wissenschaftler plädierte dafür, den negativ besetzten Begriff „Entwicklung“ durch genauere Beschreibungen zu ersetzen, wie Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit oder Solidarität.

 

Die Tagung wurde in Zusammenarbeit von Mission EineWelt, dem Fairhandelshaus Bayern, dem Weltladen Würzburg und der Evangelischen Jugendarbeit Bayern veranstaltet.

 

 

Annekathrin Jentsch

 

eingestellt am 8. April