Dr. Hermann Vorländer bei den Recherchen. Foto: Frank Wairer

Ein dunkles Kapitel kommt ans Licht

Ehemaliger Direktor Vorländer beleuchtet NS-Vergangenheit der Mission

 

Mit einem Vortrag des ehemaliges Direktors Dr. Hermann Vorländer hat Mission EineWelt ein schwieriges Kapitel der Missionsvergangenheit aufgeschlagen. „Die Neuendettelsauer Mission und das Dritte Reich“ war der knapp zweistündige Vortrag überschrieben, den rund 120 Interessierte im Otto-Kuhr-Saal des Centrums am 14. April verfolgten.

 

Vor allem am Beispiel von drei wichtigen Persönlichkeiten machte Vorländer die Verbindung der Neuendettelsauer Mission zum Nationalsozialismus deutlich. Sowohl der damalige Direktor Friedrich Eppelein, als auch Missionsinspektor Christian Keyßer und Georg Pilhofer waren Parteimitglieder und haben trotz ihres weltmissionarischen Engagements große Teile des nationalsozialistischen Gedankengutes mitgetragen. Auch die Studierenden des Missionsseminars waren per Verfügung von Eppelein schon 1933 dazu verpflichtet worden, der Hitlerjugend oder der SA beizutreten und an deren Veranstaltungen teilzunehmen.

 

Vorländers Ausführungen belegten eindrucksvoll die Verstrickungen der damaligen Missionsanstalt und ihrer namhaften Vertreter in die nationalsozialistische Bewegung. Die Neuendettelsauer Mission sei die erste evangelische Einrichtung gewesen, die einen NS-Politiker zu einem Gespräch eingeladen habe und das habe bereits 1931 stattgefunden. Die Missionsanstalt, die 1933 rund 50 Mitarbeiter, davon 29 Missionare hatte, war hauptsächlich in Papua-Neuguinea tätig. In dem südpazifischen Land sei bereits 1937 ein NSDAP-Stützpunkt gegründet worden.

 

Mit den Erkenntnissen Vorländers soll nach Worten des heutigen Direktors Peter Weigand ein bislang unbearbeiteter Bereich der Missionsgeschichte geöffnet werden. Dazu hat Weigand auch das Archiv für Forschungen zur Verfügung gestellt. Er lädt Wissenschaftler dazu ein, vor Ort fundiert über dieses Kapitel der Geschichte zu forschen. „Dazu würden wir auch ein Stipendium zur Verfügung stellen“, so Weigand.

 

Helge Neuschwander-Lutz

 eingestellt am 18. April 2011

 

 

 

Radiobeitrag zu Mission und Nazizeit

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