Wunschzettel einmal anders

Schulklasse begegnet dem Nürnberger Christkind im Sternenhaus

 

Das Nürnberger Bündnis "Fair Toys" engagiert sich seit Jahren für faire Bedingungen in der Spielwarenproduktion. Dieses Jahr weist das Nürnberger Bündnis „Fair Toys“ auf die mangelhafte menschenrechtliche Verantwortung der Spielzeugbranche hin. Deshalb findet am Donnerstag, 8. Dezember 2011, von 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr an der Kinderweihnacht (Hans-Sachs-Platz 2, Nürnberg) eine Informationsaktion des Nürnberger Bündnisses mit dem Christkind statt.

 

Eine Schulklasse wird zusammen mit den lebendigen Plüschtieren die Besucherinnen und Besucher über diese Tatsachen informieren, freundliche Weihnachtskarten verteilen und um 14:30 Uhr im Sternenhaus dem Nürnberger Christkind ihren Wunschzettel überreichen.

 

Fast ein Drittel seines Jahresumsatzes erzielt der deutsche Spielwarenhandel in den letzten beiden Monaten des Jahres. Dass das Spielzeuggeschäft ein Saisongeschäft ist, bekommen auch die Arbeiterinnen und Arbeiter in den chinesischen Spielzeugfabriken zu spüren, wenn die Produktion für das Weihnachtsgeschäft auf Hochtouren läuft. Oder wenn in letzter Minute und großer Stückzahl ein Produkt geordert wird, das sich nach Meinung der Auftraggeber als Kassenschlager erweisen wird. Arbeitszeiten von 14 Stunden pro Tag und über 70 Stunden pro Woche sind dann keine Seltenheit.

 

„Diese extremen Arbeitszeiten widersprechen nicht nur dem chinesischen Arbeitsrecht, sondern führen außerdem zu einer Vielzahl vermeidbarer Unfälle, gegen die die Arbeitgeber ihre Beschäftigten oft nicht einmal ausreichend versichert haben. Es ist nicht hinnehmbar, dass Zigtausende von Arbeiterinnen und Arbeitern in den chinesischen Fabriken den Preis für die bunte Spielzeugwelt in unseren Kinderzimmern mit ihrer Gesundheit zahlen!“ so Josef Sayer, Hauptgeschäftsführer von Misereor.

 

„Wie kann es eigentlich sein, dass dieses Spielzeug überhaupt in Europa angeboten werden darf? Produkte, bei deren Herstellung z.B. das Urheberrecht verletzt wurde, dürfen nicht importiert werden. Warum gilt dies nicht auch dort, wo nationales Recht oder Menschenrechte im Produktionsland verletzt wurden?“ fragt sich das Nürnberger Bündnis "Fair Toys". Es weist in diesem Zusammenhang auch auf die Verantwortung der Auftraggeber hin, wie sie auch in den „Leitprinzipien“ der Vereinten Nationen zu Wirtschaft und Menschenrechten festgehalten ist. Durch ihre Einkaufspolitik - wie Preisgestaltung, Lieferfristen, Art und Dauer der Lieferbeziehungen - hätten die Unternehmen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten – und damit die Mittel, um Menschenrechtsverstößen vorzubeugen. Ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflicht zur Gewährleistung der Menschenrechte bei ihren Lieferanten würden nur wenige Unternehmen gerecht.

 

Und nur eine Minderheit beteiligt sich am ICTI CARE-Prozess des Weltverbandes der Spielzeugindustrie: Von 116 Unternehmen, die in Fernost produzieren lassen, legten bei der aktuellen Firmenumfrage der bundesweiten Aktion fair spielt lediglich 48 für wenigstens einen ihrer Lieferanten einen Nachweis vor, dass die Arbeitsbedingungen in dessen Betrieb den Regeln des Programms entsprechen. 42 Unternehmen produzieren nur in Deutschland und der Europäischen Union. Von 87 Firmen ist nicht bekannt, wo ihre Produkte hergestellt werden.

 

Die Tauglichkeit des ICTI CARE-Prozesses wird von der Aktion fair spielt allerdings zunehmend kritisch gesehen: Denn trotz jahrelanger Forderungen der Aktion fair spielt sind die für den Prozess Verantwortlichen nicht bereit, die Selbstverpflichtungen der Markenfirmen zur Beachtung der geforderten Arbeitsstandards zu überprüfen und über deren Umsetzung zu informieren. Die Verantwortung wird einseitig auf die Lieferanten abgewälzt. Daneben bemängelt die Aktion fair spielt, dass nur die direkten Lieferanten der Markenfirmen kontrolliert werden, aber nicht deren Sublieferanten. Insgesamt sei das zu wenig, um glaubwürdig die wirksame Durchsetzung der Menschen- und Arbeitsrechte in den chinesischen Spielzeugfabriken nachzuweisen.

 

Ansprechperson bei Mission EineWelt:

Dr. Jürgen Bergmann, Mission EineWelt – Referat für Entwicklung und Politik

Tel.: 0911- 3667210

 

Das "Nürnberger Bündnis Fair Toys" wird getragen von:

Bund der Deutschen Katholischen Jugend

Christliche Initiative Romero

Evangelische Jugend Nürnberg

Fenster zur Welt, Katholische Stadtkirche Nürnberg

Geschwister-Scholl-Realschule, Nürnberg

Katholische Arbeitnehmerbewegung

Lorenzer Laden

Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg

Mission EineWelt der Evang. Luth. Kirche in Bayern

Nürnberger Menschenrechtszentrum e.V.

Spielzeugmuseum der Stadt Nürnberg

Stadtmission Nürnberg e.V.

 

Gisela Voltz

eingestellt am 5. Dezember 2011