Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf
Fritz Schroth, Mitglied der bayerischen Landessynode
Fritz Schroth, Mitglied der bayerischen Landessynode
Zinzendorf-Denkmal in Herrnhut
Zinzendorf-Denkmal in Herrnhut

Christsein der Welt zugewandt

 

 

Die Mission des Grafen von Zinzendorf

(13. Juni 2008) „Wer an Mission denkt, kommt an Zinzendorf nicht vorbei“, urteilt Fritz Schroth, Vorsitzender des Ausschusses für Weltmission und Ökumene in der bayerischen Landessynode. Überhaupt gehöre der sächsische Reichsgraf zu seinen „Lieblingskirchenvätern“, versicherte Schroth bei seinem Vortrag über Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf am 12. Juni bei Mission EineWelt.

 

Der langjährige Synodale aus Bischofsheim/Rhön, der auch stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender von Mission EineWelt ist, hat sich intensiv mit dem Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine beschäftigt. Dieser gehört zu den bekanntesten und schillerndsten Persönlichkeiten des Pietismus im 18. Jahrhundert.

 

Geboren in Dresden im Jahr 1700, wurde Zinzendorf als Zehnjähriger bei August Hermann Francke in Halle erzogen, wo seine Liebe zur Mission gelegt wird. Gern hätte er Theologie studiert, allerdings war dies für seine Familie inakzeptabel. Also schickte man ihn als Student der Jurisprudenz nach Wittenberg, wo sein Tagespensum – gemäß seinem adeligen Stand – neben Vorlesungen und Repetieren, Geschichte und Philosophie auch Französisch, Fecht-, Reit- und Tanzunterricht vorsah. Seine Kavaliersreise führte ihn nach Frankreich und in die Niederlande.

 

Mit 22 Jahren beginnt Zinzendorf seine Laufbahn als Justizrat am sächsischen Hof August des Starken. Er kauft das Oberlausitzer Erbgut Berthelsdorf und heiratet Erdmuthe Dorothea Gräfin Reuß-Ebersdorf. Auf seinem Anwesen nimmt er in den folgenden Jahren über 200 protestantische Glaubensflüchtlinge auf, Nachfahren der alten böhmisch-mährischen Brüder: der Beginn der Herrnhuter Brüdergemeine. Bis heute sind die „Herrnhuter Losungen“ bekannt, deren erste der Graf seiner Gemeine mitgegeben hatte.

 

Mit dem Namen Zinzendorf verbunden ist auch eine weltweite Missionsarbeit. „Christsein ist eine Aufgabe der Welt zugewandt“, pflegte er zu sagen. Schon 1731 schickten die Herrnhuter erste „Boten“ nach Westindien, später nach Grönland, Surinam und Südafrika. Manche von ihnen waren sogar bereit, sich als Sklaven verkaufen zu lassen, um den afrikanischen Sklaven in der Karibik das Evangelium predigen zu können.

 

Wegen seiner Aktivitäten wurde der Graf 1736 aus Sachsen verbannt. Fortan betätigte er sich in der Missionsarbeit im Baltikum, Westindien und Nordamerika und lebte ab 1751 einige Jahre in London. Über 300 Brüder hat Zinzendorf ausgesandt. Bei seinem Tod 1760 war die Gemeine weltweit tätig. Von ihm stammt der Satz: „Bruder sein und Mission zu treiben, ist ein und dasselbe.“

 

In der Tat akzeptierte Zinzendorf, der als Reichsgraf zum höchsten europäischen Adel gehörte, keinerlei Unterschiede des Standes, der Rasse, der Hautfarbe oder Sprache. In Herrnhut war er Bruder unter Brüdern, stellte sich auf eine Stufe mit Bauern und Handwerkern. Auch Frauen räumte er gleiche Rechte ein. „In seiner Zeit eine revolutionäre Haltung, die ihn bei seinesgleichen als Narr in Verruf brachte“, so Fritz Schroth. Verehrt dagegen wurde er unter anderem von Herder und Goethe.


Annekathrin Jentsch, Pressereferentin

Tel. 09874 9-1030 presse(at)mission-einewelt.de