Dr. Hans Rößler (li.) vom Heimat- und Geschichtsverein Neuendettelsau und Direktor Peter Weigand mit dem neu erschienenen Heft über Wilhelm Löhe und die Indianermission.

Neuendettelsauer Indianermission mit Fragezeichen

 
Mitherausgeber des Neuendettelsauer Heftes bei Mission EineWelt

 

(9. Mai 2008) In seine Jugend mit Karl Mays Indianergeschichten mag sich mancher zurückversetzt gefühlt haben beim Vortrag von Dr. Hans Rößler über die Neuendettelsauer Indianermission. Anlässlich der von ihm mit herausgegebenen neuen Ausgabe des Neuendettelsauer Heftes Nr. 5 mit dem Titel "Wilhelm Löhe und die Amerika-Auswanderung 1841 - 1872" war der Leiter des Löhe-Zeit-Museums des Heimat- und Geschichtsvereins Neuendettelsau von Mission EineWelt als Referent eingeladen worden.

 

Neuguinea ist als Hauptgebiet der Neuendettelsauer Missionsarbeit allseits bekannt. Dass aber Wilhelm Löhe gut 40 Jahre früher seinen fränkischen Auswanderern in Form der "Nothelfer" auch geistlichen Beistand in die Weiten Nordamerikas schickte und diese wiederum ab 1845 versuchten, auch unter den Indianern zu missionieren, gehört zu den weniger bekannten Annalen der Geschichte.

 

Für die fränkischen Siedler, die der Armut oder einer fehlenden Heiratserlaubnis wegen nach Nordamerika auswanderten, bedeutete die neue Heimat keineswegs ein Zuckerschlecken. Mit Ochsengespannen machten sie sich Tausende von Kilometern auf eine eher ungewisse Reise. Eine erste Gruppe fasste Fuß im Gebiet von Michigan und gründete die Siedlung Frankenmuth. Weitere Orte mit so beredten Namen wie Frankentrost oder Frankenlust sollten folgen.

 

Die Winter waren streng, die Unterkünfte dürftig. Ein einfaches Blockhaus diente als Kirche und Schule, in dem auch Chippewa-Indianerkinder unterrichtet wurden. 35 von ihnen wurden getauft – beflügelt vom Eifer der Siedlergemeinde und gemäß Löhes Auftrag: "Ihr seid mein Brief an die Heiden." Für uns heute nicht nachvollziehbar ging der Missionsdrang so weit, dass die Kinder den Katechismus auf Deutsch aufsagen mussten. Die von den Weißen eingeschleppten Windpocken besiegelten allerdings ihr Schicksal. Noch heute erinnert eine Tafel auf dem Kirchhof von Frankenmuth an den Tod der Chippewa-Kinder.

 

Bis an den Fuß der Rocky Mountains schaffte es 1858 eine Siedlergruppe unter Führung von Pfarrer Moritz Bräuninger, der in der Neuendettelsauer Missionsanstalt ausgebildet worden war. Ein Vierteljahr lang teilte der 22-Jährige sogar gemeinsam mit einem Gefährten das unstete Leben der Prärieindianer vom Stamm der Crows zu Pferde und im Tipi. Die jungen Männer erhielten indianische Namen und wurden mit Tomahawk, Pfeil und Bogen ausgestattet. Ihre 500 gesammelten Wörter halfen ihnen, sich notdürftig zu verständigen. Allerdings stand Bräuningers Mission unter keinem guten Stern: Zwei Jahre später wurde er von Oglala-Indianern ermordet, die keine weißen Siedler in ihrem angestammten Gebiet dulden wollten. Mit seinem Tod endete auch die Neuendettelsauer Indianermission.

 

Aus heutiger Sicht freilich müssen diese Unternehmungen differenziert beurteilt werden. Das wurde deutlich bei der sich anschließenden Diskussion, die kritische Fragen aufwarf, ob etwa die Wegnahme von Land durch Siedlermissionare und die Übergabe der Bibel je erfolgreich gewesen seien. Oder ob Mission und die Besetzung der Weltkarte nicht völlig unevangelisch sind. Und wo der Unterschied zwischen der Gründung einer Missionsstation und dem Bau einer Moschee in Deutschland heute liegt.

 

 

Hinweis:

Das Neuendettelsauer Heft 5 von Hans Rößler und Matthias Honold ist zum Preis von 8 Euro bei Mission EineWelt, Tel. 09874-9 1052 oder per Mail an medien(at)mission-einewelt.de , in der Freimund Buchhandlung Neuendettelsau oder direkt über den Heimat- und Geschichtsverein (Postfach 95, 91561 Neuendettelsau) zu beziehen