Im Gespräch: Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (links) mit der Moderatorin Alexandra Hiersemann und Kirchenrat Wolfgang Döbrich.

Menschenrecht auf Nahrung

Podiumsgespräch mit Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul

 

(2. September 2008) Bei einem Podiumsgespräch in Nürnberg forderten Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Kirchenrat Wolfgang Döbrich einen stärkeren Einfluss Europas im Kampf um das Menschenrecht auf Nahrung. Beide sprachen beim Forum "Eine Welt - unsere Welt" vor einem überwiegend entwicklungspolitisch engagierten Publikum im Puckenhof.

 

Täglich, so die Ministerin, sterben weltweit 24.000 Menschen an Hunger. Alle Anstrengungen, sowohl der Regierungen vor Ort als auch der Entwicklungshilfe hierzulande, hätten nur dann Erfolgsaussichten, so Wieczorek-Zeul, wenn Europa seine Exportsubventionen auf Nahrungsmittel aufgebe. Immer noch sei es so, dass europäische Lebensmittel in vielen Ländern der Welt billiger angeboten würden, als einheimische. "Das zerstört die Lebensgrundlage vieler Bauernfamilien", so die Ministerin.

 

Wolfgang Döbrich, Lateinamerika-Referent im evangelischen Centrum Mission EineWelt (Neuendettelsau), bestätigte das mit einem Beispiel aus Brasilien. Dort seien viele Familien in den Nordosten ausgewandert, um dort nun "in einer absolut künstlichen Situation" Soja als Viehfutter für den Export anzubauen. 300 Meter tief müsse nach Wasser gebohrt werden, der Strom werde durch ein Öl-Kraftwerk erzeugt. Die Bauern hätten sich hoch verschuldet, die einheimische Lebensmittelproduktion werde durch diese Politik eingeschränkt, die Preise stiegen enorm und Grundnahrungsmittel würden für die einheimische Bevölkerung unerschwinglich.

 

Döbrich betonte selbstkritisch, dass auch kirchliche Hilfe nicht immer den gewünschten Effekt erziele. "Unsere Einwirkungen dürfen keine noch größeren Schäden anrichten", hielt er sowohl für staatliche wie auch kirchliche Hilfsmaßnahmen fest. Trotzdem erinnerte er an das lange versprochene Vorhaben, die staatliche Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukt zu erhöhen. Die Minsterin quittierte das mit der Aussage, dass bis 2015 europaweit dieses Förderziel erreicht werden solle.

 

Helge Neuschwander-Lutz

 


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