Podiumsdiskussion mit (v.l.) Christian Reiser (Brot für die Welt), OKR Michael Martin, Dr. Verena Grüter (EMW), Milton Jandrey, Pater Eric Englert (missio München) sowie den Moderatorinnen Dr. Claudia Jahnel (Mission EineWelt) und Kerstin Voges (ganz li. außen)
Podiumsdiskussion mit (v.l.) Christian Reiser (Brot für die Welt), OKR Michael Martin, Dr. Verena Grüter (EMW), Milton Jandrey, Pater Eric Englert (missio München) sowie den Moderatorinnen Dr. Claudia Jahnel (Mission EineWelt) und Kerstin Voges (ganz li. außen)
Fotos: Heiko Grünwedel
Fotos: Heiko Grünwedel

Theologie befreit

 

 

Symposium zur lateinamerikanischen Befreiungstheologie

(16. November 2008) Ein kompaktes, wissenschaftlich fundiertes Symposium zur Befreiungstheologie hat verschiedenste Schlaglichter auf die heutige lateinamerikanische als auch auf die deutsche Situation geworfen. Anlässlich der Verabschiedung von Lateinamerikareferent Kirchenrat Wolfgang Döbrich, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht, veranstaltete Mission EineWelt vom 14. bis 16. November ein großes Lateinamerika-Wochenende.

 

Dem Interesse Döbrichs ist die Veranstaltung letztlich zu verdanken. Denn ihn, den „liebenswürdigen Alt-68er und hellwachen Geist“, so der Vorsitzende des Synodalausschusses Weltmission und Ökumene, Fritz Schroth, interessierte immer die Frage, was aus der Befreiungstheologie geworden ist. Er habe sich, lobte auch Helga Neike, die Vorsitzende des Fachausschusses Lateinamerika, stets für Gerechtigkeit eingesetzt und die Stimme Lateinamerikas innerhalb der Landeskirche aufrecht gehalten.

 

 

Besetzt mit hochkarätigen Referenten wurde eineinhalb Tage lang im Neuendettelsauer Centrum diskutiert über alles rund um lateinamerikanische Theologie. Neben Prof. em. Hermann Brandt (Erlangen), der über Krise oder Neuanfang der heutigen lateinamerikanischen Befreiungstheologie ausführte und Martin Junge vom Lutherischen Weltbund (LWB, Genf), der aufzeigte, welche Rolle die Befreiungstheologie in den Kirchen des LWB spielt, sollten auch drei lateinamerikanische Theologen, Dr. Silifredo Dalferth (Stuttgart), Dr. Juan Carlos Schmidt (Aalen) und Gilberto Quesada Mora (San José), mit ihrer Sicht der Dinge zu Wort kommen.

 

Während Schmidt Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Pfingstbewegung und der katholischen Basisgemeinden darstellte, hielt Quesada Mora einen flammenden Appell für die Befreiungstheologie: „So lange Armut auf der Erde bei Mensch und Natur herrscht, brauchen wir die Theologie der Befreiung.“ Die heutigen Armen beschrieb er als ethnische, religiöse, soziale, kulturelle oder altersspezifische Minderheiten. Sie in ihrem Kampf für ein Leben in Würde und Gerechtigkeit solidarisch zu begleiten, sei Aufgabe der Kirche. „Die neuen Theologien müssen ihren Weg vom Schreibtisch zum Volk finden“, forderte der Pfarrer.

 

Die lutherische Kirche in Costa Rica (ILCO), eine Partnerkirche der bayerischen evangelischen Landeskirche, arbeitet in diesem Sinn bereits mit ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen wie Bauern, Indigenen, Migranten, Frauen, Homosexuellen und HIV/Aids-Infizierten.

 

Vertreter verschiedenster kirchlicher Organisationen – von Brot für die Welt über missio München und das Landeskirchenamt - kamen am Sonntag in einer Podiumsdiskussion zusammen. Besonders die Frage einer befreienden Theologie in Deutschland wurde stark diskutiert. Überall dort, wo Menschen einen Blick für die bekommen, die an den Rand gedrängt sind - seien es Kinder ohne Bildungszugang oder Migranten in Wohnheimen - werde Befreiung real, so Oberkirchenrat Michael Martin (München).

 

Für den brasilianischen Pfarrer Milton Jandrey, der zurzeit in Schwandorf als Gemeindepfarrer arbeitet, gibt es in jedem Ort unterdrückte und ausgeschlossene Menschen, mit denen „wir als Christen solidarisch sein müssen“. Dr. Verena Grüter, Grundsatzreferentin beim Evangelischen Missionswerk in Deutschland (Hamburg), wies darauf hin, dass die deutsche Kirche weitestgehend eine „Kirche der Mittel- und Oberschicht“ sei. „Diese Kirche hat nicht das Bedürfnis, befreiend zu handeln.“ Vielmehr wolle sie Gutes tun an den Armen, ohne „auch unsere nicht gerechten Strukturen zu hinterfragen“.  


Annekathrin Jentsch, Pressereferentin

Tel. 09874 9-1030   presse(at)mission-einewelt.de