Die Insel Kiribati im Pazifik wird im Meer untergehen. Foto: WWF

Wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen

 

 

Der Klimawandel bedroht die Insel Kiribati

 

(18. November 2008) Die Auswirkungen des Klimawandels auf den pazifischen Inselstaat Kiribati standen im Mittelpunkt eines Studienabends, zu dem die Evangelische Stadtakademie Nürnberg, Mission EineWelt und weitere Einrichtungen ins Haus eckstein in Nürnberg eingeladen hatten. Pfarrer Baranite Kirata von der Protestantischen Kirche in Kiribati, dessen Heimat vom Klimawandel in vielfacher Hinsicht bedroht ist, verdeutlichte anhand von Bildern die Situation seiner Landsleute: die Frage nach der Zukunft, wenn deren Heimat vom Meer verschlungen wurde.

 

Straßen, die aufgrund des Platzmangels auf den Atollen weitgehend entlang der Küsten verlaufen, werden gerade in den stürmischen Jahreszeiten häufig überspült und weggerissen, so dass die Regierung viel Geld für deren Reparatur einsetzen muss. Von der Weltbank erhielt Kiribati Gelder, um die Uferstraßen zu befestigen, doch Kirata schätzt diese Maßnahme als unklug ein. „2050 wird Kiribati unter dem Meer begraben sein. Die Gelder wären besser verwendet worden, um die Menschen auf eine Umsiedlung vorzubereiten.“

 

Australien unterstützt bereits die Regierung von Kiribati dabei, jungen Menschen eine Grundausbildung in der häuslichen Krankenpflege, in der Produktion oder als Elektriker zu ermöglichen, damit sie sich als gelernte Arbeiter in einem anderen Land eine Zukunft aufbauen können. Bis 2025 sollen etwa zehntausend Menschen nach Neuseeland und Australien umgesiedelt werden. Die Frage sei jedoch, so Kirata, wo die 115.000 anderen leben können, die nicht so qualifiziert oder bereits älter sind. Vielen fällt es schwer, ihre Heimat zu verlassen.

 

Auch Baranite Kirata will seine Heimat nicht verlassen, ermutigt seine Kinder aber dazu. „Wir wollen nicht als Flüchtlinge, sondern als Landeigentümer in einem anderen Staat leben.“ Eine Lösung des Problems gibt es jedoch noch nicht. Kirata bat die Anwesenden und Veranstalter, mit ihrem Engagement für eine klimagerechte Welt fortzufahren. „Kiribati versinkt, aber Sie können mit ihrer Regierung sprechen und sie bitten, andere Länder wie beispielsweise die USA zum Umdenken in Sachen Klimapolitik zu bewegen.“

 

Kiribati besteht aus 33 Korallenatollen. Die Atollinseln erheben sich nur etwa zwei bis drei Meter über den Meeresspiegel, weshalb schon ein Meeresanstieg um einige Zentimeter verheerende Folgen haben kann. „Unsere Inseln werden vom Meer gegessen“ erklärte Kirata. Durch die Zunahme der tropischen Stürme als Folge des Klimawandels wird die Erosion der Küsten weiter verstärkt. Viele der Atolle sind ohnehin nur wenige Meter breit.

 

Probleme gibt es auch mit der Wasserversorgung. Auf Atollinseln beziehen die Menschen ihr Wasser in erster Linie aus der Süßwasserlinse, die in dem Korallenkalkstein des Atolls über dem Salzwasser liegt. Durch den Anstieg des Meersspiegels verbrackt (versalzt) die Süßwasserlinse, so dass die Menschen ihren Wasserverbrauch verstärkt durch Regenwasser decken müssen. Eine weitere Konsequenz des Klimawandels ist jedoch die zunehmende Hitze auf den Inseln mit teilweise spärlicher Vegetation. „Wir erfahren nun auch längere Dürren“, so Kirata. Durch den geringeren Niederschlag lässt sich häufig nicht ausreichend Wasser für den täglichen Gebrauch beschaffen.

 

Auch die Riffe seien nicht mehr so gesund. Fisch gehört zum Grundnahrungsmittel der Inselbewohner. Doch es wird immer schwerer, ausreichend Fisch zu fangen, weil die Erwärmung des Wassers die Fischbestände in tiefere Gewässer treibt.

 

Katja Göbel

 

 

Zu Fragen speziell zum Klimawandel im Pazifik gibt die Pazifik-Informationsstelle Auskunft.


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