Preisverleihung Nürnberger Sprachrohr

 

(3. Februar 2009) Die bundesweite Aktion ‚fair spielt’ hat angekündigt, dieses Jahr erstmals auf der am kommenden Donnerstag beginnenden Spielwarenmesse den Preis des ‚Nürnberger Sprachrohrs’ zu verleihen. Mit diesem Preis soll stellvertretend für alle deutschen Spielwarenhersteller der Plüschtierhersteller Heunec ausgezeichnet werden, der sich für die Einhaltung der Menschenrechte und für faire Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferbetrieben in China einsetzt.

 

Zu Beginn der Pressekonferenz am Montag legte Dr. Helmut Schwarz, der Leiter des Spielzeugmuseums Nürnberg dar, warum auch er sich im Rahmen des Nürnberger Bündnis FairToys - in dem auch Mission EineWelt aktiv ist - engagiert. Die Region Nürnberg kann auf eine 600-jährige Spielzeugtradition zurückblicken in der die niedrigen Preise der Spielwaren nur durch menschenunwürdige Produktionsbedingungen erreicht werden konnten: überlange Arbeitszeiten, ausbeuterische Löhne und mangelnde Arbeitssicherheit waren insbesondere bei der Heimproduktion von Spielwaren in Nürnberg und Umgebung die Regel.

 

Wie in Nürnberg damals so sind in vielen Spielwarenfabriken in China heute die Produktionsbedingungen sehr schlecht und menschenunwürdig. Es herrscht ein mangelhafter Arbeits- und Gesundheitsschutz, die täglichen Arbeitszeiten liegen oftmals bei mehr als zehn Stunden an sieben Tagen die Woche, die Löhne befinden sich unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns und unterhalb eines Existenz sichernden Niveaus, in den Fabrikwohnheimen fehlen grundlegende hygienische Einrichtungen, die Fabrikhallen sind  schlecht beleuchtet und gelüftet.

 

Die Aktion fair spielt vertritt die Ansicht, dass Unternehmen in ihrem Einflussbereich Mitverantwortung tragen für die Gewährleistung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen. Diese Erwartungen stützen sich auf die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte, die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation und die Arbeitsgesetze der Volksrepublik China, die nur unzureichend eingehalten werden. Mit dem ICTI-CARE Prozess gibt es für die Firmen der Branche die Möglichkeit, die chinesischen Zulieferbetriebe nach gewissen Normen zertifizieren zu lassen und auch die Festlegung eines sog. Date Certain, also ein frei wählbarer Zeitpunkt an dem man sich verpflichtet nur noch bei zertifizierten Herstellern einzukaufen, sind Wege hin zu einer lückenloseren Wahrung der Menschenrechte in der Spielwarenproduktion.

 

Leider sind die deutschen Firmen in sehr unterschiedlichem Maße an dem Prozess beteiligt. Mehr als 30 Firmen blieben bis heute vollkommen untätig, sie können weder ein Zertifikat vorlegen, noch haben sie sich auf ein Date Certain festgelegt. Es gibt jedoch auch einige Vorreiter unter den Spielwarenproduzenten, wie die Firma Heunec: Sie kann ein Zertifikat für zwei seiner drei Produktionsstätten in China vorweisen und hat zum 31.12.2005 die Selbstverpflichtung unterschrieben. Stellvertretend für die 35 Vorreiter-Firmen, wird Heunec am kommenden Freitag, den 6. Februar 2009 um 10.15 Uhr an ihrem Stand auf der Spielwarenmesse mit dem ‚Nürnberger Sprachrohr’ ausgezeichnet. Mit einem Sprachrohr werden gute Nachrichten in die Welt getragen – es bleibt zu wünschen, dass sich alle deutschen Firmen auf den Weg machen auf menschenwürdigere Bedingungen in ihren Zulieferbetrieben zu achten!

 

Weitere Informationen: www.fairspielt.de

 


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