Frauen verkaufen ihr Gemüse auf dem Markt.
Frauen verkaufen ihr Gemüse auf dem Markt.
Eine junge Büroangestellte arbeitet am Computer.
Eine junge Büroangestellte arbeitet am Computer.
Frauenleiterin Bomoke Ambane bearbeitet ihr Feld im Hochland.
Frauenleiterin Bomoke Ambane bearbeitet ihr Feld im Hochland.
Bomoke Ambane (l.) und Silling Navi sind anlässlich des Weltgebetstages auf Einladung von Mission EineWelt in Bayern unterwegs.
Bomoke Ambane (l.) und Silling Navi sind anlässlich des Weltgebetstages auf Einladung von Mission EineWelt in Bayern unterwegs.

Dorffrau und High-Tech-Ingenieurin

 

Zum Weltgebetstag: Frauenleben in Papua-Neuguinea


(2. März 2009) Was heißt es, heute in Papua-Neuguinea als Frau zu leben? Keine leichte Frage, denn der Frauenalltag ist mindestens so vielfältig wie das südpazifische Land selbst. Tatsächlich spannt sich der Bogen von traditionellen Hochländerinnen, die noch wie ihre Mütter und Großmütter im Dorf leben, bis zur modernen High-Tech-Ingenieurin des 21. Jahrhunderts.

 

Zum Weltgebetstag der Frauen am 6. März stehen in diesem Jahr die Frauen Papua-Neuguineas im Blickfeld. Zeitgleich weilen zwei von ihnen, Silling Navi und Bomoke Ambane, auf Einladung von Mission EineWelt in Bayern, um in Schulen und Gemeinden anlässlich des Weltgebetstags ihr Land vorzustellen. Beide sind in der Frauenarbeit der lutherischen Kirche aktiv. Die 50-jährige Silling Navi koordiniert sie von der Stadt Lae aus für den großen Kirchenkreis Jabim; Bomoke Ambane für den Hochland-Kirchenkreis Jiwaka, mitten im gebirgigen Herzen Papua-Neuguineas.

 

Dort gibt es keine Straßen und deshalb ist die 42-Jährige viel zu Fuß unterwegs. Manchmal sieht sie ihre Familie einen ganzen Monat nicht. Bei ihren Dorfbesuchen stehen neben der Bibelarbeit vor allem Alphabetisierungskurse, Ernährungs- und Hygienefragen sowie soziale Dienste im Vordergrund: Wer kümmert sich um die kranke alte Frau? Wer versorgt den Haushalt der jungen Wöchnerin, holt das Feuerholz aus dem Wald und das Wasser vom Fluss? Wer beherbergt die anstehenden Besucher? Im Dorf steht man zusammen - das war schon immer so.

 

Noch immer geben auch die Jahreszeiten den Arbeitslauf vor. Das Land muss gerodet und Felder neu angelegt, die Kaffeebohnen und Vanilleschoten geerntet werden. In der Trockenzeit laufen die Frauen über weite, unwegsame Pfade zu ihren Feldern. An der Arbeitsteilung hat sich nichts geändert: Frauen sind für die Kinder, den Haushalt, das Feld und die Schweine zuständig. Männer legen beim Roden mit Hand an. Noch immer herrscht eine männerdominierte Gesellschaft.

 

Frauen noch immer hintenan

Früher durften Mädchen in Papua-Neuguinea nicht einmal zur Schule gehen. Das hat sich seit den 1950er Jahren geändert, als die ersten Mädchenschulen von den Missionsstationen betrieben wurden. Der Fortschritt schreitet allerdings langsam voran: Die Analphabetenrate liegt mit mehr als 50 Prozent vergleichsweise hoch. Nach wie vor sind die Mehrheit derer, die nicht Lesen und Schreiben können, Frauen.

 

Auch beim Thema Gewalt stehen Frauen auf der Verlierseite: Ob sie von ihren Ehemännern verprügelt oder ihre Kinder missbraucht werden, ob sie vergewaltigt werden oder ihr Mann mit einer anderen ein Kind zeugt. Zunehmend fordert Aids seinen Tribut. Kirche und Gesellschaft klären zwar auf, aber wer krank ist, spricht aus Scham nicht darüber.

 

In der Stadt hat sich das Leben komplett gewandelt: Immer mehr Dorfbewohner zieht es in die wenigen urbanen Zentren wie Lae oder Madang, um ihr Glück zu finden. Wer gut verdient, kann seine Familie versorgen. Meist tragen auch die Frauen noch zum Familieneinkommen bei: Sie bauen am Haus Kakao, Bananen, Zwiebeln, Mais oder Gurken an, die sie auf dem Markt verkaufen. Manche backen die beliebten Donuts oder stellen Fruchteis her. Andere handeln mit Betelnüssen, die landauf landab gekaut werden.

 

Ein trauriges Kapitel allerdings sind Familien, in denen Männer ihr Geld vertrinken oder beim Glücksspiel verlieren. Um an Geld zu kommen, schicken sie selbst ihre Frauen und Töchter auf den Strich. Prostitution in diversen Nachtlokalen ist nichts Ungewöhnliches. „Das machen auch Kirchenmitglieder, die ihre Kinder sonst nicht ernähren könnten“, seufzt Silling Navi. „Das tut weh.“

 

Auch arbeitslose Jugendliche treiben in den Städten in Banden ihr Unwesen: rauben, stehlen und vergewaltigen. Die Kirchenleiterin weiß aus eigener Erfahrung: „Wir fühlen uns nicht sicher.“

 

Trotzdem sind die Frauen in Papua-Neuguinea optimistisch: „Früher waren Männer die Krone der Schöpfung“, sagt Silling Navi. Heute freut sie sich, dass Frauen am Martin-Luther-Seminar Theologie studieren können, auch wenn die Zeit noch nicht reif ist, um sie als Pfarrerin zu ordinieren. Zunehmend sind Frauen berufstätig und verdienen ihr eigenes Geld als Anwältin, Ingenieurin oder Bankangestellte. Im Parlament sitzt bereits eine Abgeordnete.

 

Annekathrin Jentsch



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