Carteret-Atoll aus dem Weltraum. © NASA
Carteret-Atoll aus dem Weltraum. © NASA
Umgekippte Kokospalmen auf der Huene-Insel  © Pip Starr www.starr.tv
Umgekippte Kokospalmen auf der Huene-Insel © Pip Starr www.starr.tv
Basil Peso

Die Alten wollen mit der Insel sterben“

Carteret-Inseln bald Geschichte

 

 

(3. April 2009) Auf den Carteret-Inseln im Südpazifik ist die Endzeit angebrochen, weil das Meer still und leise die Eilande auffrisst. 2015 werden die Atolle untergegangen sein, sagen Wissenschaftler voraus.

 

Rund 3.200 Menschen leben auf den Carteret-Atollen, kaum einen Meter über dem Meeresspiegel gelegen. Die Hälfte von ihnen muss wegziehen. „Die Leute sind verunsichert“, weiß Basil Peso, der bei der Nichtregierungsorganisation (NGO) Tulele-Peisa arbeitet. Der Name ist Programm und heißt soviel wie „Wir segeln allein auf den Wellen“. Seit 2006 versucht die NGO, Volkes Stimme bei der Regierung und der Weltgemeinschaft zu Gehör zu bringen. Auch mit der Umsiedlung der Menschen auf die Nachbarinsel Bougainville hat sie schon begonnen. Basil Peso hat wegen des Landes mit den Stammesoberhäuptern verhandelt. Auch der katholische Bischof hat 81 Hektar für die ersten Familien zur Verfügung gestellt.

 

Zugute kommt den Carteret-Insulanern, dass sie nicht als Fremde oder gar Eindringlinge, sondern als Schwestern und Brüder angesehen werden. Vor 200 Jahren waren ihre Vorfahren von Bougainville nach den Carterets ausgewandert. Heute gehören sowohl Bougainville als auch die Carteret-Inseln zu Papua-Neuguinea. Der zuständige Parlamentsabgeordnete für Bougainville habe zwei Millionen Dollar für die Umsiedlungsaktion versprochen. Bis heute sei nicht ein Cent gekommen, schimpft der junge Basil Peso. Seine Organisation erhalte dafür von internationalen Partnern, wie Oxfam, Unterstützung.

 

Schon seit 20 Jahren beobachten die Insulaner den schleichenden Klimawandel, der das Meer höher und höher steigen lässt. Noch können die Menschen im Hochland leben, doch der Tag ist nicht mehr fern, wenn auch der letzte die Heimat verlassen muss. „Die Alten wollen mit der Insel sterben“, sagt Peso. Viele seiner Landsleute seien einfach nur traurig und meinen, wenn es Gottes Wille sei, dann lasse er sie leben oder sterben. Nur diejenigen mit höherer Schulbildung machen die Schuldigen an der Misere aus: die Erste Welt, die sie in der Pflicht sehen, eine neue Heimat zu finden.

 

Dabei haben die Carteret-Insulaner sich gekümmert, haben eine zehn Meter hohe Betonmauer gegen das Meer gebaut und Mangroven an der Küste gepflanzt. Genützt hat es ihnen nichts. Täglich kippen die Kokospalmen um, weil Boden und Grundwasser versalzen. Auch Taro und Bananen, die Hauptanbauprodukte, wachsen schlecht. Still und heimlich kommt das Meer heran – auch unterirdisch. Trinkwasser wird üblicherweise mit Regentanks gewonnen, doch in letzter Zeit regnet es nicht mehr so häufig. Und nun fallen auch die Kokosnüsse zu Boden, deren Milch zum Trinken und deren Öl zum Kochen diente. Selbst im Landesinneren.

 

Annekathrin Jentsch, Pressereferentin

 

 

 

Film über die Carteret-Inseln :

www.youtube.com/watch?v=fRxpLnfv6xA


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