Ehepaar Teuffel-Keitzer
Ehepaar Teuffel-Keitzer

"Mein Himmel hat sich geweitet“

 

Pfarrer Jochen Teuffel ab Juni in Vöhringen

  

„Mission back“ nennt Jochen Teuffel seine Rückkehr von Hongkong in die schwäbische Heimat. Ab Juni übernimmt der promovierte Theologe in Vöhringen die Pfarrstelle an der Martin-Luther-Gemeinde. In Senden, ganz in der Nähe, ist er aufgewachsen. „Eine Tätigkeit in der Gemeinde stand jetzt an“, begründet der gebürtige Schwabe seine Entscheidung.

 

Sechs Jahre hat Jochen Teuffel als Dozent am Lutherischen Seminar (LTS) in Hongkong gelehrt. Die Gemeinschaft mit Kollegen und Studierenden ist dort das A und O. Da muss sich der 45-Jährige erst wieder an die eher anonyme deutsche Volkskirche gewöhnen. Sein Arbeitsauftrag lief über Mission EineWelt, das Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission in Neuendettelsau, wo er nach seiner Rückkehr noch ein halbes Jahr lang mitgearbeitet hat.

 

Das LTS ist eines von sechs größeren theologischen Seminaren in der Inselmetropole. Die Mehrheit der über 600 Studierenden kommt aus Hongkong: Es sind Pfingstkirchler, Baptisten, Heilsarmisten, Siebenten-Tags-Adventisten. Lutheraner sind die wenigsten. Einige kommen aus China, etwa 15 Prozent aus südostasiatischen Ländern wie Myanmar, Indonesien, Singapur und Malaysia. In der Regel haben sie schon einen Beruf, bevor sie sich, meist durch Bekehrungserlebnisse, mit Theologie beschäftigen.

 

Die Studenten sind ernsthaft und neugierig bei der Sache. Studieren wochentags fleißig am Seminar und arbeiten am Wochenende noch ehrenamtlich in ihren Kirchen. Rauchen und Trinken sind tabu. Vorehelicher Sex auch. Wer eine Freundin hat, ist drei bis vier Jahre mit ihr zusammen, bevor geheiratet wird. Christliche Sittenstrenge, die übrigens auch von den Dozenten erwartet wird. „Ein 50-jähriger Theologe, der seine Frau wegen einer jüngeren verlässt – das dürfte schwierig werden“, meint Teuffel schmunzelnd.

 

Auch nach China haben den Theologen Gastvorlesungen geführt. An der staatlichen Universität von Zhongshan in der Provinz Guangzhou hat er an der philosophischen Fakultät christliche Theologie unterrichtet - unzensiert, wie er unterstreicht. „Chinesen werden immer als materialistisch abgestempelt, weil sie nach Wohlstand und Glück streben. Im Grunde sind sie aber genauso wie wir“, verteidigt Teuffel die chinesische Mentalität. Die wöchentliche Vorlesung habe ihm viele neue Einsichten vermittelt, und seinem Reisepass nicht zuletzt acht Seiten voller Einreisestempel beschert.

 

Seine Frau Nago Keitzer hat der bayerische Pfarrer am Seminar in Hongkong kennen gelernt. Sie stammt aus dem Nordosten Indiens, nahe Birma, und gehört zu einem der christlichen Nagavölker. Inzwischen hat die 34-Jährige, deren Vater Pfarrer war, selbst einen theologischen Abschluss in der Tasche. Ihr neues Leben in Vöhringen lässt sie gelassen auf sich zukommen: „Mal sehen, was sich ergibt“, sagt sie in fließendem Englisch.

 

Hongkong mit seiner vielfältigen kirchlichen Spiritualität hat Pfarrer Teuffel bereichert. „Mein Himmel hat sich geweitet“, sagt er und meint damit das intensive Kennen- und Schätzenlernen unterschiedlicher Frömmigkeiten: von orthodox bis pfingstlerisch.

 

In den christlichen Kirchen Hongkongs tragen etwa 50 Gemeindemitglieder zwei Vollzeitkräfte, was ein enormes finanzielles und zeitliches Engagement voraussetzt. Der Zehnte plus Kollekte sind üblich. Neben der Familie kreist das Leben um die Gemeinde, wo auch die Freunde herkommen. Man telefoniert viel miteinander, trifft sich zu Bibelkreis oder Abendveranstaltungen, teilt gemeinsam Sorgen oder Probleme. Diese „Geschwisterlichkeit“, wie es Teuffel nennt, wird ihm fehlen.

 

Hochhausblocks prägen das Bild der Sieben-Millionen-Metropole. Explodierende Mietpreise machen 40 Prozent kommunalen Sozial-Wohnungsbau nötig. Auch ein öffentliches Gesundheitswesen gibt es. Vieles ist westlich: die Kleidung, das Essen. Nur die allgegenwärtige Ahnenverehrung verrät den asiatischen Kontext: Im Supermarkt gibt’s neben dem Kühlregal auch Räucherstäbchen und Glücksgeld zu kaufen. Und beim Friedhof zu wohnen, wie das Ehepaar Teuffel-Keitzer, fällt auch nur Christen ein: „Die Geister der Ahnen…“, flüstert Nago Keitzer lachend und winkt ab.

 

Annekathrin Jentsch, Pressereferentin

 

 

  • Hinweis:

Die Einführung von Pfarrer Jochen Teuffel durch Dekanin Gabriele Burmann  findet am 31. Mai um 15 Uhr in Vöhringen statt.

 

Buchtipp:

 

In seinem gerade druckfrisch erschienenen Buch zeigt Jochen Teuffel gegen europäische Vorbehalte in Sachen "Mission" auf, welche kulturelle Gestaltung von christlicher Misison in außereuropäischen Gesellschaften ausgeht.

 

 

Jochen Teuffel: Mission als Namenszeugnis. Eine Ideologiekritik in Sachen Religion. Mohr Siebeck, 2009, ISBN 978-3-16-149910-4.

 


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