Wohngruppe in Bethany Home mit den bayerischen Freiwilligen von Mission EineWelt Alexander Maass (hinten Mitte) und Benedikt Bau (hinten rechts).
Wohngruppe in Bethany Home mit den bayerischen Freiwilligen von Mission EineWelt Alexander Maass (hinten Mitte) und Benedikt Bau (hinten rechts).
Liebevoll kümmern sich Helferinnen um die Kinder in Bethany Home.
Liebevoll kümmern sich Helferinnen um die Kinder in Bethany Home.

Lebenslängliche Freiheitsstrafe als Diagnose

„Bethany Home“ hilft in Malaysia behinderten Kindern und Erwachsenen

 

 

Ein bisschen stolz ist Jayasingh Rajiah schon auf „Bethany Home“. Der 55-Jährige leitet seit 18 Jahren die Behinderteneinrichtung der indischstämmigen evangelisch-lutherischen Kirche in Malaysia. 1966 gegründet, bietet Bethany Home heute 164 Kindern und Erwachsenen einen Ort des Verständnisses, des Lernens, der Akzeptanz. Als eine der größten Einrichtungen ihrer Art erhielt sie vor fünf Jahren sogar einen Preis der Regierung als beste Fürsorge-Einrichtung im Land.

 

Jayasingh Rajiah
Jayasingh Rajiah

Freilich, gibt Direktor Rajiah unumwunden zu, sei in Deutschland das Niveau der diakonischen Einrichtungen höher. Im Grund aber arbeiteten sie ähnlich. Zwei Wochen lang hat er sich auf Einladung von Mission EineWelt einen Einblick in die Arbeit der Diakonie Neuendettelsau verschafft. Ein bisschen neidisch schaut er hier auf die professionell ausgebildeten Pflegekräfte. „Bei uns“, sagt er, „werden die Mitarbeiter von ausländischen Freiwilligen geschult, weil keiner sein Handwerk gelernt hat. Aber sie haben das Herz auf dem rechten Fleck.“

 

Freiwillige geschätzt

Unter den jungen Freiwilligen aus Australien, Schweden und den USA sind auch zwei Deutsche, die über Mission EineWelt ein Freiwilliges Jahr leisten. Einer, Alexander Maass, ist Heilerziehungspfleger, und das schätzt Jayasingh Rajiah sehr. „Alexander hatte die Idee, mit den Kindern in die Stadt zu gehen. Jetzt zeigt er ihnen, wie man Bus fährt oder sich einen Snack am Imbiss-Stand kauft.“

 

70 junge Erwachsene sind mittlerweile auf dem Sprung in ein unabhängiges Leben: Durch die Vermittlung von Bethany Home haben sie eine Anstellung bekommen: in einem Betrieb für Damenbekleidung, einem Motorradladen, Schnellimbiss oder auf Fischerbooten. Während des ersten Jahres schauen Direktor Rajiah und seine Mitarbeiter immer wieder nach dem Rechten.

 

Liebe kann Institution nicht geben 

Die Kinder und Erwachsenen – vom Baby bis zum Senioren – sind geistig behindert, leiden an Epilepsie oder spastischen Lähmungen. Bis nachmittags kommen sie zum Unterricht, manche bleiben noch den Rest des Tages in den Wohngruppen. Spätestens am Abend kehren die meisten wieder nach Hause zurück. „Sie sollen bei ihren Familien aufwachsen. Dort bekommen sie die Liebe, die ihnen Institutionen nicht geben können“, erklärt der hoch gewachsene Rajiah, der früher als Lehrer für Taubstumme gearbeitet hat.

 

Die Angebote sieht er vor allem als Entlastung für die Mütter, weil ein behindertes Kind eine lebenslängliche Freiheitsstrafe bedeute. Deshalb bietet Bethany Home den Betroffenen auch eine Plattform, um sich auszutauschen, gegenseitig zu trösten und zu stärken. Viele Frauen fühlen sich noch immer als von Gott gestraft. „Für mich sind die Kinder wunderbar von Gott erschaffen“, sagt dagegen Jayasingh Rajiah, „aber er verlangt von uns, die Mütter und Väter zu unterstützen.“

 

 

Jetzt hofft der Direktor auf eine engere Zusammenarbeit mit der Diakonie Neuendettelsau vor allem bei der fachlichen Ausbildung von Personal. Schon längst träumt er davon, dass das Beispiel von Bethany Home in Malaysia Schule macht. Sein Ziel ist es, dass behinderte Menschen als selbstständige Individuen genauso in die Gesellschaft hinein genommen werden wie alle anderen, jenseits mitleidiger Blicke und Spenden. Dazu ist er auf dem besten Weg.

 

 

Annekathrin Jentsch, Pressereferentin

 

 

eingestellt am 4. Juni 2009

 

Arbeit in einem Betrieb: 70 junge Erwachsene, wie diese Frau, sind inzwischen auf dem Sprung in ein unabhängiges Leben.
Arbeit in einem Betrieb: 70 junge Erwachsene, wie diese Frau, sind inzwischen auf dem Sprung in ein unabhängiges Leben.
Frühförderung von behinderten Kindern gehört in Bethany Home zum Programm.
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Spiel und Spaß wird groß geschrieben.
Spiel und Spaß wird groß geschrieben.


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