Der neue Seemannspfarrer Christian Schmidt. Foto: Deutsche Seemannsmission/Schlesselmann
Der neue Seemannspfarrer Christian Schmidt. Foto: Deutsche Seemannsmission/Schlesselmann
War 16 Jahre lang im Singapurer Hafen zu Hause: Werner Strauß mit seiner Frau Liesel
War 16 Jahre lang im Singapurer Hafen zu Hause: Werner Strauß mit seiner Frau Liesel

Mission an Bord

 

 

 

Werner Strauß hat seine Aufgabe an Christian Schmidt übergeben

 

 

 

Im vergangenen Herbst hat Seemannsmissionar Werner Strauß (66) Singapur verlassen. Die Kooperation der Internationalen Lutherischen Seemannsmission von Evangelisch-Lutherischer Kirche in Singapur und Mission EineWelt in Neuendettelsau mit der Deutschen Seemannsmission wird von Pfarrer Christian Schmidt (42) fortgeführt.

 

Nach 16 Jahren Dienst in Singapur, einem der größten Containerhäfen weltweit, hieß es: „Strauß kommt nimmer, nicht weil er ein Lump ist oder nimmer mag, sondern weil er aufhört“, so Strauß. Seine Arbeit für die Mission hatte er zuvor lange Jahre in Papua-Neuguinea getan, wo er „Zuhören und Zuschauen“ gelernt habe. Die notwendige Geduld dafür habe er sich auch in seiner ersten Ausbildung als Lehrer angeeignet.

 

In den vergangenen Jahren habe sich in Singapur vieles zum Nachteil der Seeleute verändert: „Früher lagen die drei Viertel der Zeit im Hafen und waren ein Viertel auf See, heute ist es umgekehrt.“ Die Automatisierung und Personaleinsparungen sowie ISPS hätten zur Folge gehabt, dass die Arbeitsbelastung stetig zunehme und die Seeleute nach den Schichten kaputt und müde seien und keine Lust mehr zum Zusammensein hätten. Daher sei ihm in Singapur wichtig gewesen: „Zeit nehmen für Leute, die keine Zeit haben.“

 

Der Rucksack mit Zeitungen in Landessprache und der Helm gegen die Gefahren im Hafen waren bei den Bordbesuchen seine Markenzeichen. Er kennt über 300 Crews und Schiffe, die regelmäßig den Hafen anlaufen, und sie kennen ihn. Vertrauen entstand über sein unaufdringliches Angebot, und so war er jederzeit zu einem persönlichen Fürbittengebet bereit.

 

Seine Frau Liesel war nicht nur in der Betreuung der Ehefrauen von Seeleuten präsent und in der lutherischen Kirche eingebunden, sondern auch mit ihrem Mann im Singapurer „Lions Club“ aktiv. Seinen Ruhestand verbringt das Ehepaar Strauß nun in der Nähe von Nürnberg.

 

Der Nachfolger Christian Schmidt lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Singapur. Vorher war er acht Jahre Gemeindepfarrer in Albertshofen und hatte sich dort bereits für die Ökumene eingesetzt. Die hohe Luftfeuchte und die Starkregen in Singapur seien sehr gewöhnungsbedürftig, aber der Dank für den Dienst des neuen „Reverend“ zeugte von der Notwendigkeit dieser Arbeit. Insbesondere die weltweite Rezession sei bei Besuchen an Bord der vielen „Auflieger“ im Hafen in Form von Existenzängsten bei den Seeleuten angekommen. Die typischen Probleme seien zudem die langen Zeiten auf See und die Trennung von der Familie, erzählt Schmidt. Dazu kommen die Angst vor Piraten, schlechte Bezahlung und kulturelle Spannungen, die auf engstem Raum zwischen den internationalen Crewmitgliedern entstehen. „Aus der Internationalität ergibt sich die Aufgabe, für Seeleute aller Länder ohne Unterschied der Religion und Rasse da zu sein.“

 

André Schlesselmann
Deutsche Seemannsmission

 

 

Ein Video über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise im Hafen von Singapur und die Arbeit Christian Schmidts sowie einen ausführlichen Zeitungsartikel finden Sie hier.

 

 eingestellt am 19. Juni 2009


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