Der lutherische Bischof von Costa Rica, Melvin Jiménez
Der lutherische Bischof von Costa Rica, Melvin Jiménez
Sara Videa (l.), Leiterin der diakonischen Arbeit aus Nicaragua
Sara Videa (l.), Leiterin der diakonischen Arbeit aus Nicaragua
Publikum beim Zentralamerikatag
Publikum beim Zentralamerikatag

Land in Sicht - Lebensperspektiven in den ländlichen Gemeinden Zentralamerikas

 

 

 

 

10. Zentralamerikatag der bayerischen Landeskirche in Nürnberg

 

 

Mehr als 40 Menschen aus Partnerschaftsgruppen, zukünftige und ehemalige internationale Freiwillige sowie Interessierte waren zum 10. Zentralamerikatag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern am 4. Juli in die Dreieinigkeitsgemeinde in Nürnberg gekommen. Unter dem Motto „Land in Sicht“ informierten Delegationen aus den lutherischen Partnerkirchen in Nicaragua (ILFE) und Costa Rica (ILCO) über die Situation und die Lebensperspektiven der Menschen auf dem Land in Zentralamerika.

 

Der lutherische Bischof von Costa Rica, Melvin Jiménez, verwies darauf, dass vor allem die neoliberale Politik der letzten 30 Jahre die Armutssituation der Kleinbauern und indigenen Bevölkerung auf dem Land extrem verschärft hat. In Zentralamerika leben derzeit mehr als 50 Prozent der ländlichen Bevölkerung in Armut. Kleinbauern verkaufen ihre landwirtschaftlichen Produkte kaum mehr auf den lokalen Märkten, weil sie mit den Preisen der billig aus dem Ausland importierten Nahrungsmittel nicht mehr konkurrieren können.

 

Durch die Handelsliberalisierung im Zuge des Freihandelsabkommens mit den USA werden die Märkte von Produkten wie Mais oder Reis überschwemmt - industriell hergestellt und oft gentechnisch verändert. Der ländlichen Bevölkerung bleibt häufig keine andere Wahl, als sich als schlecht bezahlte Tagelöhner auf Ananas- oder Bananenplantagen transnationaler Agrarkonzerne zu verdingen oder in die großen Städte abzuwandern. Die EU und China verhandeln derzeit mit der Region über ähnliche Freihandelsabkommen, die zu einer weiteren Marktüberschwemmung mit Billigprodukten führen und die Situation noch weiter verschärfen werden.

 

Die lutherische Kirche in Nicaragua (ILFE) hat sich für die „Option für die Armen“ entschieden und  arbeitet deswegen vor allem mit der armen Bevölkerung auf dem Land, erläuterten Katia Cortez und Sara Videa von der Diakonieabteilung der ILFE. Die Kirche versucht, die Landbevölkerung mit Bildungsangeboten zu unterstützen und ihr etwa durch Wiederaufforstungsprogramme neue Lebensperspektiven zu eröffnen.

 

In Costa Rica bemüht sich die lutherische Kirche neben ihrem politischen Engagement auch um eine Aufklärung in nachhaltiger Landwirtschaft, die von Pastor Nehemias vorgestellt wurde: So werden in Schulen und Gemeinden die Grundlagen ökologischer Landwirtschaft in Theorie und Praxis gelehrt. Vielerorts werden Gärten und Felder angelegt, um den Menschen eine gesunde Ernährung und ein nachhaltiges Landwirtschaften nahezubringen sowie ihnen neue Einkommensquellen zu erschließen.

 

Die Förderung fairer Handelsbeziehungen auf dem Weltmarkt sowie die Schaffung nachhaltiger Einkommensquellen werden von den zentralamerikanischen Kirchen als wirksame Instrumente zur Armutsbekämpfung insbesondere auf dem Land angesehen. Von den deutschen Partnern wünschen sie sich vor allem Unterstützung auf politischer Ebene, beispielsweise bei der deutschen Regierung gegen unfaire Freihandelsabkommen einzuwirken sowie sich für einen bewussten Konsum fair gehandelter Produkte aus Zentralamerika einzusetzen.

 

Überschattet wurde der Tag von dem noch immer andauernden Staatsstreich in Honduras, bei dem auch Mitglieder der lutherischen Kirche in Honduras verhaftet wurden. In einer Resolution fordern die Teilnehmenden des Zentralamerikatags die Wiedereinsetzung des rechtmäßig gewählten Präsidenten Manuel Zelaya sowie die sofortige Freilassung der im Zuge des Putsches Inhaftierten.

 

Gisela Voltz

 

 

eingestellt am 7. Juli 2009


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