Delegation aus der lutherischen Kirche von Costa Rica zu Besuch in Bayern (v.l.) Peter Weigand, Direktor von Mission EineWelt, OKR Michael Martin, Bischof Melvin Jiménez, Nehemias Rivera, Helga Neike, Maria Obregón, Gretel Gamboa, Hans Zeller, Lateinamerikareferent von Mission EineWelt, Pfarrer Stefan Meyer, Dorothea Droste, Pfarrer Johannes Oeters.
Delegation aus der lutherischen Kirche von Costa Rica zu Besuch in Bayern (v.l.) Peter Weigand, Direktor von Mission EineWelt, OKR Michael Martin, Bischof Melvin Jiménez, Nehemias Rivera, Helga Neike, Maria Obregón, Gretel Gamboa, Hans Zeller, Lateinamerikareferent von Mission EineWelt, Pfarrer Stefan Meyer, Dorothea Droste, Pfarrer Johannes Oeters.

Bischof Jiménez: Glaube und diakonische Arbeit gehören zusammen

 

 

Delegation aus der lutherischen Kirche von Costa Rica in Bayern

 

In der „Casa Abierta“ im Armenviertel von Costa Ricas Hauptstadt San José haben 55 Kinder einen Ort gefunden, an dem sie tagsüber gut und sicher aufgehoben sind. Ab sechs Uhr morgens sind die Türen geöffnet, erzählt Maria Obregón. Die Sechs- bis 13-Jährigen werden dort mit Frühstück, Mittag- und Abendessen versorgt und von ausgebildetem Fachpersonal pädagogisch betreut. Die Älteren besuchen vormittags die Schule. Nachmittags wird Hausaufgabenhilfe angeboten. Spätestens um 18 Uhr holen die Mütter ihre Kinder wieder ab.

 

 

Das „Offene Haus“ ist die zweite kirchliche Einrichtung dieser Art für Alleinerziehende. Der Name ist Programm: Bevor es seine Pforten öffnete, mussten die Mütter ihre Kinder zu Hause einsperren. Wenn es gut ging, passten ältere Geschwister auf die jüngeren auf. Die Not zwang die Frauen dazu: Weil sich ihre Männer aus dem Staub gemacht haben, müssen sie die Familie ernähren.

 

 

Auf diese unwürdigen Verhältnisse hat die lutherische Kirche von Costa Rica (ILCO) mit der Eröffnung der Tagesbetreuung reagiert. „Glaube und diakonische Arbeit gehören für uns fest zusammen“, bestätigt Bischof Melvin Jiménez bei seinem Besuch in Bayern. Deshalb unterstützt die Kirche das „Offene Haus“ auch im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten. Ohne die Spenden aus Deutschland freilich, von Mission EineWelt und dem Dekanat Aschaffenburg, wäre die Kinderbetreuung in San José so nicht möglich.

 

 

Lebendige Partnerschaft mit Dekanat Aschaffenburg seit 2002

 

Das Dekanat Aschaffenburg pflegt seit 2002 eine enge Verbindung zur lutherischen Kirche in Costa Rica. Dazu gehören regelmäßige Kontakte und Besuche, um jeweils Anteil am Leben der anderen zu nehmen. Einmal im Jahr wird ein Partnerschaftssonntag begangen. Für Anfang Oktober, erzählt der Verantwortliche, Pfarrer Stefan Meyer (Obernburg), ist erstmals eine Studienreise zu den Partnern geplant.

 

 

Auf der Freiwilligenebene war vor zwei Jahren bereits eine junge nicaraguanische Migrantin aus Costa Rica im Dekanat. Im Gegenzug arbeitete eine unterfränkische Jugendliche bei den mittelamerikanischen Partnern. Derzeit suchen die Aschaffenburger wieder einen Freiwilligen aus ihren Reihen, der im nächsten Jahr in der Partnerkirche mitarbeitet. Über das Freiwilligenprogramm von Mission EineWelt sind derzeit zwei Jugendliche aus Bayern in der „Casa Abierta“.

 

 

Neben der Arbeit mit Kindern setzt die lutherische Kirche auf diakonische Programme in insgesamt acht Bereichen, erläutert Gretel Gamboa, die seit vier Jahren dafür verantwortlich zeichnet. Die Arbeit konzentriere sich vor allem auf die Ausgegrenzten am Rand der Gesellschaft: Flüchtlinge, HIV-Infizierte, Kleinbauern, Frauen, Kinder und Jugendliche aus armen Familien, Transsexuelle und Indigene.

 

 

Die 5.000 lutherischen Kirchenmitglieder - Kleinbauern, Indigene, Migranten, Frauengruppen - profitieren gerade nicht vom relativen Wohlstand Costa Ricas. Insofern unterstützt die Kirche beispielsweise die Kleinbauern mit Krediten für eine Ausbildung in ökologischer Landwirtschaft oder die Alleinerziehenden mit Kinderbetreuung.

 

 

Von den viereinhalb Millionen Einwohnern des Landes sind eine Million Wirtschaftsflüchtlinge, vornehmlich aus Nicaragua. Costa Rica gilt landläufig als die Schweiz Mittelamerikas. Trotzdem bleibt auch hier die Wirtschaftskrise nicht ohne Folgen, weiß Bischof Jiménez. Die stark vom Export abhängige Wirtschaft schwächelt, der Tourismus geht zurück, die Arbeitslosigkeit steigt.

 

 

Annekathrin Jentsch, Pressereferentin

 

 

eingestellt am 14. Juli 2009


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